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Zaziki für die Griechen (MÄRZ 15)

Liebe Freunde des politischen Kabaretts,

Als der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis den Europäern seine Ideen zur Beilegung der Griechenlandkrise schickte, antwortete Wolfgang Schäuble: „Der Brief aus Athen ist kein substantieller Lösungsvorschlag.“  

Dazu muss man wissen, dass der Schäuble ja nur wie ein Arzt handelt, zu dem ein kranker Mann kommt und fragt: „Was muss ich machen, um wieder gesund zu werden?“ Worauf der Arzt sagt: „Du musst vor allem erst mal deine offenen Medikamenten-Rechnungen an die Pharmakonzerne bezahlen, dann wird’s dir wieder besser gehen.“. Ein Jahr später ist der Mann nicht mehr krank, sondern totkrank. Und was macht der Arzt? Er besteht auf Einhaltung der Therapie.

Deswegen sagte Schäuble: „Der Brief aus Athen ist kein substantieller Lösungsvorschlag“, denn er will den Griechen ja einfach nur seriöses Finanzgebarden beibringen, und zwar so seriös, wie Schäuble selber seine Finanzen stets gehandhabt hat. Man hätte sich also in Athen einfach nur mal beim Waffenhändler Schreiber erkundigen müssen, dann hätte man erfahren, dass Briefe für Wolfgang Schäuble nur dann etwas substantielles beinhalten, wenn sich 100.000 DM im Umschlag befinden.

Angela Merkels Rezept ist ebenso viel versprechend. Seit Jahren lautet ihre Diagnose: „Die Griechen sollen es halt machen, wie wir Deutschen.“
Denn was haben wir Deutschen gemacht, das die Griechen machen sollten, wie wir? Wir haben die Reallöhne gekürzt und die Sozialleistungen runtergefahren, bis wir in der Produktion billiger waren, als unsere Konkurrenten. Das hatte Konsequenzen.

Ein griechischer Taxifahrer hat mir mal erzählt, was eigentlich in seinem Land los ist. Früher gab es nämlich in seinem Ort einen Lebensmittelladen, der alles angeboten hat, was man zum Leben so braucht: z B auch Zaziki. Bis dann eines Tages in diesem Ort ein deutscher Supermarktdiscounter aufmachte, und der hat da das gleiche angeboten, wie der griechische Lebensmittelladen, nur mit einem Unterschied: billiger, z B auch Zaziki. Denn dieser deutsche Supermarktdiscounter ließ seinen Zaziki im Billiglohnland Deutschland herstellen mit deutscher Milch und deutschen Zutaten. Und deswegen singt die Merkel: „Sehr Ihr Griechen, so wird das gemacht!“

Das Ergebnis war, dass die griechischen Milchbauern, Zazikihersteller und Lebensmittelhändler auf ihrem Zeug sitzen blieben und irgendwann pleite waren. Und zwar so pleite, dass sie am Ende nicht mal mehr genug Geld hatten, um im deutschen Supermarktdiscounter deutschen Zaziki zu kaufen. Und in dem Moment sagte die Merkel: „Ich versteh gar nicht, warum die Griechen Geld brauchen. Aber egal warum, wenn sie Kredite wollen, von uns Deutschen bekommen sie jedenfalls keine.“

Und bei der Aussicht, dass dadurch am Ende der deutsche Supermarktdiscounter, samt deutscher Milchbauern und Zazikihersteller in Griechenland dann nichts mehr verkaufen würden, pleite gingen, und der griechische Lebensmittelladen mit griechischen Produkten wieder aufmachen könnte, sangen die Griechen zu den Deutschen: „Ihr könnt nach Hause fahrn.“

Und da haben dann die deutschen Supermarktdiscounter, Milchbauern und Zazikihersteller die Merkel gefragt, ob sie nicht evtl zum Idiotentest sollte. Und da hat die Merkel gesagt: „Also wenn einer den Griechen Kredite geben will, dann doch wohl wir Deutschen.“ Das war eine klassische 180-Grad-Wende, auch bekannt als Standpunktpirouette. Seit Fukushima eine von Merkels leichtesten Übungen.

Und weil die Griechen von uns Deutschen Geld bekamen, um unseren deutschen Zaziki zu kaufen, schlagzeilte die BILD-Zeitung wochenlang auf ihrer Titelseite über die faulen Abzocker-Pleite-Griechen. Wie konnte es dazu kommen? Einfach mal die ganzseitigen Werbeanzeigen von deutschen Supermarktdiscountern in der BILD-Zeitung zählen. Und dann mit der Anzahl der ganzseitigen Anzeigen von Griechenland vergleichen. Das Problem war: Der griechische Finanzminister heißt mit Vornamen: „Waskostas“ und mir Nachnamen. „Wohlgratis“.

Wir gaben den Griechen also unseren Zaziki, unsere Kredite, und unseren Spott in unseren Boulevard-Zeitungen. Was wir den Griechen nicht gaben, waren eigene Einnahmen. Und damit kommen wir zur ersten Jokerfrage: Wenn jemand keine eigenen Einnahmen hat, wovon soll er dann Kredite abbezahlen?

Und als die Merkel merkte, dass die Griechen ihre Schulden ja gar nicht zurück bezahlen, hatte sie eine geniale Idee: „Wenn ein Land seine Schulden nicht abbaut, muss es dafür Strafzinsen zahlen.“ Darauf muss man erst mal kommen. Jemand der nackig ist, soll als Strafe fürs nackig sein, sich ausziehen.

Und weil sie dann aber doch irgendwann gemerkt hat, dass man von Leuten, von denen man kein Geld bekommt, auch kein Bußgeld bekommt, hat sie aus unseren Steuergeldern einen Schutzschirm gebildet für die Kredite, die die Griechen brauchen, damit sie Geld haben, um unseren Zaziki zu kaufen. Was hat eine solche Politik mit Zaziki gemeinsam? Beides ist Quark.

Denn selbst, als die Griechen es genau so gemacht haben, wie wir Deutschen. Also Löhne und Sozialleistungen runter gefahren, und sich ein anderes Land gesucht, wo sie ihren Zaziki billiger anbieten können, als dort die einheimischen Lebensmittelhändler, fanden die deutschen Supermarktdiscounter dieses andere Land doch auch.

Es gibt ja Leute, die eine lange Leitung haben. Und es gibt Leute, die aufm Schlauch stehen. Aber bei Angela Merkel ist die lange Leitung der Schlauch, auf dem sie steht.


Kommentare

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5 Kommentare
#5 Manfred schrieb am 21.03.2015 11:34

Merkmale eine totalitären Staates

 

Man vergleiche mal das EU-System mit den Kritieren eines totalitären Staates, die Friedrich und Brzezinski in ihrem 1956 erschienenen Werk "Totalitarian Dictatorship and Autocracy" formuliert haben (aus Wikipedia):

 

1. eine alle wichtigen Lebensbereiche umfassende, allgemeinverbindliche, auf Schaffung einer neuen Gesellschaft

ausgerichtete Ideologie mit Wahrheitsanspruch und stark utopischen, z. T. religionsähnlichen Elementen

 

Neoliberale Ideologie mit Vergötterung des Markts bei gleichzeitiger Ächtung traditioneller Werte, sofern sie Zusammenhalt und Soldidarität in der Gesellschaft fördern. Diese wird durch

Dauerpropaganda in alle Gehirne gehämmert und zwar vom Vorschulalter

an.

 

2. eine einzige, die gesamte formelle Macht innehabende, hierarchisch

und oligarchisch organisierte Massenpartei (neuen Typs), die in der

Regel von einem Mann (dem Diktator) angeführt wird und die der

staatlichen Bürokratie entweder übergeordnet, oder mit ihr völlig

verflochten ist.

 

Diese Rolle hat die EU-Bürokratie, insbesondere die EU-Kommission. 28 EU Kommisare, die von wenigen Reichen durch Lobbyismus gesteuert werden. Sie werden ernannt, nicht direkt gewählt werden. Kein direkter demokratischer Einfluss mehr. Überhaupt, vollständige Enkopplung der faktischen Regierung von Volk. So was

Perverses konnten die sich 1956 vermutlich gar nicht vorstellen.

 

3. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung (bis 10 Prozent) gehört der Partei

aktiv an und eine aktive Minderheit innerhalb der Partei ist fanatisch der zugrunde liegenden Ideologie ergeben.

 

Diese Minderheit stellen hier nationenübergreifend die Superreichen, die fanatisch die neoliberale Ideologie vertreten und dafür bereit sind, Interessen der jeweiligen Bevölkerung zu opfern, ja sogar Kriege und Umstürze im Ausland zu fördern.

 

4. ein physisches und oder psychisches Terrorsystem: Kontrolle und Überwachung der Bevölkerung, aber auch der Partei selbst, durch eine

Geheimpolizei. Diese bekämpft nicht nur tatsächliche, sondern auch

potentielle Feinde.

 

NSA und Tochterinstitutionen, Vorratsdatenspeicherung, False-flag

Aktionen von Geheimdiensten. Das braucht man wohl nicht weiter zu

erläutern

 

5. das nahezu vollständige Monopol der Massenkommunikationsmittel

beim Staat

 

Gleichgeschaltete Presse, die Regierungshandeln propaganistisch

unterstützt

 

6. das nahezu vollständige Monopol der Anwendung der Kampfwaffen beim

Staat

 

Auch gegeben. Inklusive Einsatz des des Militärs im Inneren

 

7. eine zentrale, bürokratisch koordinierte Überwachung und Lenkung

der Wirtschaft

 

EU inklusive der Finanzinstitute versuchen durch Gelddrucken,

Wirtschaftssanktionen, Abwrackprämien, Subventionen die Wirtschaft zentral steuern wollen. TTIP etc werden das noch verstärken

 

Ich würde sagen: Volltreffer

BUTZKOMMENTAR:
#4 Hans Möller schrieb am 03.03.2015 13:28

Moin Moin aus dem hohen Norden!

Wie wohltuend ist es,solche bissigen Zeilen zu lesen.Ich mag schon gar nicht mehr die Zeitungen aufschlagen und die Artikel lesen.Es geht nur noch um Geld und um menschenverachtende Äußerungen.Gestern lief ein Film über Hexenverbrennung in Bamberg.Ein

Historienfilm.Warum eigentlich Historienfilm.Die ganze Zeit hatte ich bei den Schauspielern die Bilder von Schäuble,Merkel,Gauweiler,Willms und co vor Augen.Nur das die Folter heute subtiler ist und die Opfer nicht in sichtweite,was es für die Zuschauer einfacher macht.

Oh,wie brutal wird das erwachen für uns sein,wenn wir dran sind.

Gruß und Danke

BUTZKOMMENTAR:
#3 Oliver Betz schrieb am 03.03.2015 10:37

Hoffentlich sehen und hören wir immer häufiger "bissige" (also zum Nachdenken stimulierende) Kommentare wie Ihre, Herr Butzko! Deutschland wird leider zusehends zu einem Land, in dem Speichellecken zur Lieblingssportart wird, unsere politische Korruption dürfte sich längst mit jener des Kongo messen können...

 

Vielen Dank für Ihre Auftritte, ich wünsche Ihnen (wie auch anderen KabarettistInnen), dass Sie Ihre scharfe Zunge niemals bändigen lassen werden!

BUTZKOMMENTAR: