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Unwort des Jahres (JAN 2013)

Liebe Freunde des politischen Kabaretts,

Das neue Jahr ist angebrochen und was mich dann immer mit Spannung interessiert, ist die Wahl zum Unwort des Jahres.
Mein Top-Favoritin für 2012 ist natürlich niemand geringeres als Angela Merkel. Denn unsere Bundeskanzlerin hat letztes Jahr mal wieder so manche Stilblüte rausgehauen.

Nehmen wir nur mal z B ihren Spruch: „Diese Bundesregierung ist die beste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung.“ Unter uns, für sowas musste Christoph Daum mal eine Haarprobe abgeben.

Oder ihre Äußerung: „Keine Eurobonds solang ich lebe.“ Was mich sogleich an den berühmten Satz der Chinesen erinnerte: Setze Dich an den Fluss, und warte bis die Leiche Deines Feindes vorüber schwimmt. Und seit Angela Merkel sagte: „Keine Eurobonds solange ich lebe“, herrscht an diesem Fluss ein ziemliches Gedrängel.

Oder das inzwischen ermüdende Mantra: „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“ wo ich schon beim ersten mal dachte: Schau mal an die Merkel, ich bin nur Kabarettist, die isn richtiger Komiker.

Aber das schönste Unwort des Jahres 2012 bleibt für mich: „Schuldenkrise“.

„Schuldenkrise“, das ist nämlich ein Wort, das unsere Bundeskanzlerin bis zum Erbrechen widerkäut, und übersetzt so viel heißt wie: „Vergesst ruhig, wer eigentlich schuld ist an der Krise.“

Nur mal zur Erinnerung:
Erst haben die Banken vor einigen Jahren über ihre Verhältnisse gelebt, und am amerikanischen Immobilienmarkt rumgezockt, und zwar mit Geldern, die sie gar nicht hatten, und wären deswegen fast pleite gegangen. Und weil Europas Steuerzahler zu deren Rettung ihre Haushalte strapazieren mussten, behaupten die Banken seitdem, die Europäer hätten über ihre Verhältnisse gelebt, um gleichzeitig nichts dringenderes zu tun, als munter gegen die Europäer, namentlich ihre Währung, den Euro zu zocken.

Oder mit anderen Worten: Stellen Sie sich einfach vor, Sie spenden mir Ihre linke Niere, und das erste was ich mache: Ich nehme eine Eisenstange und prügel Ihnen in Ihre rechte Hüfte. Warum? Weil ich Aktien einer Dialysefirma habe.

Und weil die selben Banken, die den Griechen Kredite gegeben haben, gleichzeitig darauf spekulieren, dass die Griechen den Banken ihre Kredite nicht zurückzahlen können, was von den Banken übrigens nur halb so schizophren ist, wie die Tatsache, den Griechen erst bei der Fälschung ihrer Bilanzen zu helfen, um ihnen anschließend Unzuverlässigkeit vorzuwerfen, schreien diese Banken also nun in regelmäßigen Abständen nach Mutti Merkel, weil sie sich in ihrer Existenz gefährdet sehen. Normale Mütter würden in dem Moment einfach nur bedauern, dass damals die Pille danach nicht funktioniert hat.

Mutti Merkel ist anders. Mutti Merkel sagt den Griechen, sie müssten deswegen ganz streng sparen. Das ist zwar ungefähr so, als würde man einem Patienten bei einem drohenden Kreislaufkollaps als erste Hilfe-Maßnahme die Gurgel zudrücken. Aber deswegen übt unsere Bundeskanzlerin ja auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre berühmte Handhaltung, die Sie sicher auch schon zu Genüge bei ihr gesehen haben. Diese eine berühmte Handhaltung, mit der Frau Merkel den Ländern Südeuropas signalisieren will: Das ist der Raum, den ich Euch zum Atmen lasse.

Denn die Wahrheit ist doch: Nur mit diesem Sparzwang sind die Banken in der Lage, den Ländern in Südeuropa Vorschriften zu machen über ihre Haushalts- und Privatisierungspolitik, und auf diese Weise sind die Banken gerade dabei, besagte Länder in Südeuropa zu erobern. Nur machen sie es nicht mit einem Angriffskrieg, sondern über Staatsschulden. Ihre Truppen sind keine Soldaten, sondern Soll-Daten.

Und wer sich etwas Restzynismus bewahren will und entgegnet, dass es dabei doch wenigstens keine Toten gibt, der möge einfach nur mal einen Blick auf die Entwicklung der Selbstmordrate in Griechenland werfen. Die ist nämlich in den letzten zwei Jahren um 30 % gestiegen.

Und dann fragt man sich doch, ob es wohl nur ein Zufall ist, dass die Aufforderung, Geld zu investieren wie ein Befehl beim Erschießungskommando klingt, nämlich: „Legt an!“ Und ein anderes Wort für Kredit bekanntlich: „Vor-Schuss“ lautet?

Und wenn Angela Merkel diese Menschenleben vernichtende Komplett-Ruinierung der südeuropäischen Gesellschaftsstrukturen eine Schuldenkrise nennt, dann stellt sie sich damit auf die Seite der Banken, und macht auf diese Weise den Bock unter Umgehung des Gärtners direkt zur Heuschrecke. Frage: Wer ist hier eigentlich zynisch? In diesem Sinne: Prost Neujahr!

 

 


Kommentare

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3 Kommentare
#3 Eike schrieb am 06.01.2013 14:28

Ich schließe mich den guten Wünschen von Tina an, hoffe aber inständig, dass sowohl HG, wie auch Chris die Tiere in Ruhe lassen und sich anstelle um die Menschen kümmert. Da haben wir alle mehr davon. Vielleicht sogar mal Haben-Daten.

BUTZKOMMENTAR:
#2 Raphaela Langenberg schrieb am 06.01.2013 14:06

Sehr schön! Eigentlich gibt´s ja für uns Europäer nichts mehr zu lachen, aber dieser Text ist ein kleiner Lichtblick :-)

BUTZKOMMENTAR:
#1 Tina hellinger schrieb am 04.01.2013 18:56

Mensch ,Butzko,

wie gut dass dein Hirn auch 2013 noch so gut funktioniert.

Ich wünsche dir für dieses jahr wieder viele gute Einfälle, Besserwisserideen, tolle Versprecher von Muddi Merkel die dann ins Programm aufgenommen werden können.Lieber Butzko bitte bleib gesund und der deutschen Satiere erhalten .liebe grüße Tina

BUTZKOMMENTAR: