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Unsere Art zu leben (DEZ 15)

Liebe Freunde des politischen Kabaretts,

am Fr. den 13.11. kam ich nach meinem Auftritt beschwingt in mein Hotelzimmer, schaltete nichts ahnend den Fernseher ein, und freute mich auf die "heute-show", als ich diese Scheiße in Paris sah.

Meine erste Reaktion darauf war erschüttert und betroffen, und nicht in der Lage, Phrasen von Trauer und Mitgefühl abzusondern. Aber schon 10 Minuten danach war mein nächster Gedanke von der Furcht geprägt, dass diese Vorgänge instrumentalisiert werden würden, um eine Radikalisierung auf allen Seiten gegenseitig hochzuschaukeln. Schon am nächsten Morgen zeigte sich, dass diese Instrumentalisierung bereits in vollem Gange war. Rassisten, Aluhüte, Xenophobe, Verschwörungstheoretiker, Medien, Militaristen, und nicht zuletzt Markus Söder, alle konnten es kaum abwarten, ihr Süppchen zu kochen. Vor allem aber ein Wort machte ganz schnell die Runde:
KRIEG! 

Und ich frage mich: "Sagt mal, gehts noch?" Ein Anschlag ist ein Anschlag ist ein Anschlag. Begangen von Verbrechern und ihren Hintermännern, die dafür zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Aber was will man uns mit dem Wort KRIEG sagen? Vor allem dann auch noch in der Formulierung "gegen unsere Art zu leben"? "KRIEG gegen unsere Art zu leben!" 

Richtig, Menschen, die ein Fußballspiel oder ein Rockkonzert besuchen, ins Cafe gehen, um zu Abend zu essen, wollen einfach nur für ein paar Momente unsere Art zu leben genießen und haben niemanden etwas getan. Sie abzuschlachten, und dazu noch wehrlos, ist barbarisch und durch nichts zu rechtfertigen. Auch nicht durch die Art zu leben, die die Täter bevorzugen. Unser Mitgefühl gilt den Opfern und Hinterbliebenen.

Was mich an diesem Satz aber ausgenommen begeistert, ist die unglaublich differenzierte, ja geradezu dialektische Analyse, die herauskristallisiert, dass "unsere Art zu leben" wesentlich friedfertiger ist, als alle anderen Arten zu leben. Wir töten nicht mit Kalaschnikows und Sprengstoffgürteln. Wir benutzen bei unserer Art zu leben Ellenbogen, Ausgrenzung, Diskriminierung, Ausbeutung, Austerität, Umweltzerstörung, Waffenlieferungen, Drohnenangriffe und Interventionskriege. Das alles ist auch barbarisch, passiert täglich, und ist mitunter durchaus auch geeignet, Terroristen zu erzeugen. Mal nebenbei gefragt: Woher haben die eigentlich ihre Waffen? Kleiner Tipp: Vielleicht mal Sigmar Gabriel fragen. 

Natürlich dürfen wir nicht wegen irgendwelchen durchgeknallten hirngewaschenen Fanatikern unsere Art zu leben ändern. Aber wegen der anderen 7 Milliarden Menschen auf der Welt sollten wir so langsam irgendwann schon aber mal damit anfangen.

Gewalt gegen unsere Art zu leben ist scheiße. Jede Gewalt ist scheiße. Aber wenn man suggeriert, dass "unsere Art zu leben" nicht eine Mitverantwortung für diese Gewalt hat, dann brauchen wir unsere Art zu leben natürlich auch nicht einer selbstkritisch reflektierten Diagnose zu unterziehen, und unseren eigenen Anteil an der Gewaltspirale auch nicht näher zu beleuchten. Dann lieber: Auf sie mit Gebrüll !! Damit wir auch morgen noch kraftvoll weitermachen können, mit unserer Art zu leben!

KRIEG ! KRIEG ! KRIEG ! 

...ach ja: und frohe Weihnachten!

 

 


Kommentare

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7 Kommentare
#7 Manfred schrieb am 09.12.2015 21:23

Diese Attentäter waren Franzosen und Belgier, also müsste Frankreich gegen die eigene Bevölkerung und gegen Belgien Krieg führen, im eigenen Land tun sie das ja auch schon. Aber was hat die französische Armee in Mali oder in Syrien zu suchen, es gibt keine Kolonien mehr!? Was haben überhaupt Armeen in anderen Ländern zu suchen? Diese Kriegsgeilheit vor allem von Leuten, die nicht darunter leiden müssen geht mir sowasvon auf den Sa..! Jeder Krieg muss öffentlich an den Pranger gestellt werden! Nie wieder Krieg!

BUTZKOMMENTAR:
#6 heinrich Glöckle schrieb am 03.12.2015 09:34

Lieber Herr Butzke,

 

den Ausführungen von Herrn Lüth kann ich nur zustimmen. Ihren Auftritt dieses Frühjahr in Bad Wildungen hatte Niveau, das sollten sie beibehalten.

 

Zu dem Begriff KRIEG das Frankreich benutzt, nur so viel. Die sozialen Probleme, welche Frankreich hat, Jugendarbeitslosigkeit, "Gettovorstädte" mit all seinen hervorgebrachten Formen sind der Nährboden für solche unmenschlichen Taten. es waren keine Araber, es waren Europäer, auch Franzosen, die solches anrichteten.

 

Der vordere Orient war in der Vergangenheit der Spielball westlicher Mächte, insbesondere England, Frankreich und später auch der USA. So richtig fing das an mit dem Umsturz des Irans in 1953 um den Schah einzusetzen. Seither wurden mehrere Kriege in der Region geführt. Wir hatten immer nur unsere Interessen (CIA) verfolgt (Öl, Einflussname), ohne Rücksicht auf die Bevölkerung und Kultur. Länder wie USA, England und auch Frankreich, welche immer wieder militärisch aktiv waren, verbrannte Erde hinterlassen hatten und jetzt keine Kriegsflüchtlinge aufnehmen wollen, fliegen eifrig Bombenangriffe. Dafür ist genügend Geld da, um aber an die Behebung der Ursachen zu gehen, schweigen im Walde. Und das nennen wir "Westliche werte, unsere Art zu leben, Errungenschaft der Demokratie usw... Ich kann dazu nur das Buch von Michael Lüders empfehlen "Wer den Wind sät" Es gehen einem die Augen auf.

 

... auch wenn jetzt die Vorweihnachtszeit ansteht, eine harte Wahrheit.

 

Heinrich Glöckle

BUTZKOMMENTAR:
#5 Jan Friedrich Lüth schrieb am 01.12.2015 09:33

Lieber Herr Butzko,

 

Ihr Mitgefühl für die Terroropfer in Frankreich in Ehren. Bisher habe ich Ihre sprachlichen Ausdrücke als spritzig und witzig erfahren, nicht zuletzt wegen der bildhaften Darstellung Ihrer Gedanken.

 

Mit zunehmendem Alter soll es vorkommen, dass Menschen die Kontrolle über das verlieren, was sie absondern. Die Mediziner diagnostizieren dann eine Inkontinenz.

 

Ich habe in Ihrem aktuellen Beitrag den Eindruck gewonnen, dass sich bei Ihnen erste Anzeichen einer "sprachlichen Inkontinenz" bemerkbar machen.

 

In dem in Ihrem Beitrag zwei Mal verwendeten Ausdruck "Scheiße" sehe ich bei Ihnen erste Anzeichen eines gewissen Kontrollverlustes Ihr Ausdruckskraft.

 

Wahrscheinlich ruft diese Art der Ausdrucksschwäche - nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen anderen Lesern - unwillkürlich Bilder wach.

 

Wenn Sie uns etwas Konkretes mitteilen wollen, dann sollten Sie uns Ihr Wort-Bild nicht als einen diffusen stinkenden Haufen unter die Nase reiben. Dann beschreiben Sie bitte konkret, was Sie mit dem Begriff "Scheiße" wirklich zum Ausdruck bringen wollten.

 

So jedenfalls finde ich keinen Gefallen daran, im wahrsten Sinne des Wortes zu "begreifen", was Sie da sagen. Ich ahne allenfalls, was Sie sagen wollen und muss mir dabei die Nase zuhalten. Die Augen zu schließen hilft ja nicht. Denn das Bild haben Sie ja bereits wachgerufen.

 

Als Leser nehme ich mir die Zeit, Ihre Texte zu lesen. Nehmen Sie sich bitte die Zeit, sie so zu formulieren, dass ich Ihre Gedanken verstehen kann, ohne mir dabei die Nase zuhalten zu müssen. Vielen Dank.

 

 

Herzliche Grüße

Ihr

 

Jan Friedrich Lüth

BUTZKOMMENTAR: