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Sternstunden des Parlamentarismus (OKT 11)

Liebe Freunde des politischen Kabaretts,

Die Debatte im deutschen Bundestag über die Erweiterung des Euro-Rettungsschirm war eine Sternstunde des Parlamentarismus. Endlich darf Frau Merkel nicht mehr einfach bestimmen, was gemacht wird, sondern jeder Parlamentarier darf nach bestem Wissen und Gewissen darüber abstimmen, ob er dafür oder dagegen ist, dass Frau Merkel einfach bestimmen darf, was gemacht wird. 

Außer natürlich, man ist Mitglied der Regierungskoalition, dann darf man nur abstimmen, dass man dafür ist. Denn wenn man dagegen ist, wie z. B. Wolfgang Bosbach, kann es schon mal passieren, dass ein gewisser Ronald Pofalla einem entgegen ruft: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen. Ich kann deine Scheiße nicht mehr hören." Ist das nicht geil? Es gibt zwar Gerüchte, dass er diese Rede zunächst vor einem Spiegel einüben musste, um den richtigen Ton zu treffen. Aber die Schalker Fankurve hat bereits kommentiert, dass man von diesem Niveau noch viel lernen kann und Herrn Pofalla angeboten, beim nächsten Spiel in Bayern München die Protestgesänge gegen Manuel Neuer anzuführen. 

Und da macht es natürlich auch Sinn, wenn die Regierung argumentiert, der Euro sei ein Garant für den Frieden in Europa. Denn immer, wenn ich mir die Bilder der letzten Wochen und Monate z. B. aus Athen, Barcelona und London vor Augen geführt hatte, hab ich mich natürlich schon gefragt, ab wann für unsere Regierung eigentlich Unfrieden beginnt. Jetzt weiß ich, erst wenn ein Mitglied der Regierungskoalition  nach besten Wissen und Gewissen dagegen ist, dass Frau Merkel einfach bestimmen darf, was gemacht wird, schickt Wolfgang Schäuble das Rollkommando los. Und wenn einer schon Pofalla heißt, ist er natürlich auch bestens dafür geeignet, der Kanzlerin in den Arsch zu kriechen. Oder wie ich schon sagte, eine Sternstunde des Parlamentarismus.

 

Auch der Koaltitionspartner FDP hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Spätestens nach dem Debakel bei den Senatswahlen in Berlin weiß die Boygroup um Philipp Rösler und Patrick Lindner, was die Stunde geschlagen hat, nämlich Sperrstunde. Kein Wunder also, dass in so einer stürmischen Zeit das alte Schlachtschiff Rainer Brüderle auf die Brücke geschickt wird, um bei der Bundestagsdebatte die Position der FDP zu vertreten. Und was man da zu hören bekam, wurde zu einem leuchtenden Fixstern am Firmament der deutschen Rhetorik. Ich zitiere wortwörtlich und silbengenau: 

"EINES HAT ROTGRÜN EUROPA BESCHLOSSEN, NEMIS DASS WENN DEUTSCHLAND EXPORTERFOLGE HAT SIE IN DER MAKROÖNOMIE SIE ZURÜCKFÜHREN MÜSSEN. DAS ERKLÄREN SIE MAL DEN ARBEITNEHMERINNEN, DEN BETRIEBSRÄTEN, UND DEN GEWERKSCHAFTEN, WENN DEUTSCHER FLEISS UND ANSTRENGUNG ZU ERFOLGEN FÜHRT, DASS WIR DAS EINSEITIG ZURÜCKFÜHREN, DAS IST IHRE POLITIK."

Hierbei irritiert natürlich weniger, dass Form und Inhalt offenkundig einem Paralleluniversum entstammen, sondern vielmehr die Tatsache, dass es dafür Applaus bei der FDP-Bundestagsfraktion gab. Und das ist in der Tat schon besorgniserregend, denn das sagt uns, dass die Abgeordneten der FDP ihren Vorsitzenden verstanden haben. Als einzige im Saal. Und da wundern die sich über ihre Wahlergebnisse.

Aber nachdem schon meine Oma immer zum Besten gab, dass Kinder und Betrunkene stets die Wahrheit sagen, wollte Rainer Brüderle sich auch nicht lumpen lassen und legte nach, und zwar abermals wortwörtlich und silbengenau: 

"WARREN BUFFET HAT DIE HEBELPRODUKTE ALS MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN BEZEICHNET. DIESER UNFUG MUSS BLEIBEN, DASS WIR DIESEN VERSUCHUNGEN WIDERSTEHEN. WENN WIR DAS MACHEN, HERR STEINBRÜCK KOMMEN WIR AUF DIE SCHIEFE EBENE."

Und jetzt mal ehrlich -  da gibt man sich als Kabarettist ständig Mühe, etwas pointiertes zur Eurokrise zu liefern, und dann kommt Rainer Brüderle daher und zeigt uns, wo der Satirehammer hängt. 

 

Aber das alles war noch gar nicht das Glanzstück, das uns diese Sternstunde des deutschen Parlamentarismus beschert hat. Denn ein Kamerateam des ARD-Politmagazins "Panorama" hat vor der Debatte im Bundestag etliche Parlamentarier quer durch alle Fraktionen darauf angesprochen, ob sie eigentlich wüssten, worum es bei der "wichtigsten Entscheidung dieser Legislaturperiode" im Detail überhaupt geht. Dabei wurden so wahnsinnig komplizierte Fragen gestellt, wie hoch die Summe ist, über die sie abstimmen sollen, ob auch Banken gerettet werden, und welche Länder bereits unter den Rettungsschirm gekrochen sind. 

Zu sehen waren in diesem Beitrag die Abgeordneten:

Aydan Özuguz, SPD Hamburg

Günter Gloser, SPD Nürnberg

Kathrin Vogler, DIE LINKE Steinfurt

Gabriele Fograscher,  SPD Donauwörth

Albert Rupprecht, CSU Weiden

Frank Schwabe, SPD Recklinghausen

Detlef Seif, CDU Euskirchen

Norbert Geis, CSU Aschaffenburg

Hans-Joachim Hacker, SPD Schwerin

Carsten Sieling, SPD Bremen

Und ob Ihr es glaubt oder nicht, das alles sind Leute, die von uns dafür bezahlt werden, unsere Interessen zu vertreten und Schaden von uns abzuwenden, und sie alle hatten nicht die geringste Ahnung, warum sie eigentlich morgens ihr Bett verlassen haben, geschweige denn überhaupt geboren wurden. Und da wundern wir uns, warum die Banken uns an der Nase durch den Ring ziehen.

Ich weiß ja nicht, mit welchen Argumenten diese Blender und Berufsschwänzer bei der letzten Wahl ihre Mandate erworben haben, aber wenn solch ein genetischer Sondermüll es noch ein mal wagen sollte, sich als verlässlich, kompetent und vertrauenswürdig zu präsentieren, sollten wir uns vielleicht auch mal etwas wagen, nämlich Streichhölzer und Benzin zu besorgen, und Ausschau nach dem nächtlichen Autoparkplatz dieser Arschgeigen zu halten. So kurbeln wir zumindest die Auftragslage der deutschen Garagenbauer an. Und das wär ja mal ein Anfang.

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Kommentare

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1 Kommentar
#1 Robert schrieb am 04.10.2011 11:30

Das mit dem Panorama-Beitrag ist ja richtig beängstigend. Himmel, wo soll das alles noch hinführen mit solchen geistigen Tieffliegern. Vielleicht sollten wir doch öfters auf die Straße gehn und laut aufschreien und ...

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