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Russisches Roulette (MAI 14)

Liebe Freunde und Förderer des politischen Kabaretts,



Gerhard Schröder sagte mal, Wladimir Putin sei ein lupenreiner Demokrat. Jetzt sehen wir, das stimmt. Putins Demokratie ist so rein, dass man sie mit einer Lupe suchen muss. Und wenn ich mir vorstelle, ich sollte systemkritisches Kabarett in Russland machen, muss ich ja sogar dankbar sein, von Angela Merkel regiert zu werden. So weit ist es inzwischen also gekommen.

Andererseits glaube ich, dass man mit Schwarz-Weiß-Denken im Ukraine-Konflikt nicht weiter kommt. Auf der Krim z B liegt schon seit dem 19. Jahrhundert die russische Schwarzmeerflotte. Und das Abkommen zwischen der EU und der Ukraine sah auch eine militärische Zusammenarbeit vor. Und da frag ich mich schon, was der Putin denn da sagen sollte? „Kein Problem. Spielt mit meiner Flotte ruhig Schiffe versenken.“
 

Zumal die Krim ja gar nicht schon immer zur Ukraine gehört hat. Die hat der Chruschtschow zu Sowjetzeiten der Ukraine geschenkt. In einer Schnapslaune. Ein Wodka zu viel getrunken: „Hier Krim, gehst Ukraine.“ 
Das ist so als würde jemand auf die Idee kommen, Österreich den Bayern zu schenken. Gibt nicht wenige Leute, die sagen, andersrum wär’s ne feine Sache.
 

Als Gorbatschow die Sowjetunion aufgelöst hat, hat der Westen ihm versprochen, die NATO nicht bis an die Grenze Russlands zu erweitern. Das Ist in Lettland, Estland und Litauen nicht ganz gelungen. Jetzt sollte die Ukraine dazu kommen.

Frage: Wenn du Fußball spielst. Wie oft darf dir ein Gegenspieler auf die Zehen treten, bis du die gelbe Karte forderst?

Oder für die Frauen: Wenn Du mit einem Mann tanzt. Wie oft darf der dir auf die Zehen treten, bis du zurücktrittst?

Daran können wir erkennen: Putin ist deswegen so homophob, weil er in seinem tiefsten Innern eine Frau ist. Der fordert keine gelbe Karten, der tritt zurück. Deswegen also hat Putin was gegen Pussy Riot. Weil er selber eine Pussy ist.

 

Zugegeben, das Referendum auf der Krim war wohl trotzdem ein bißchen völkerrechtswidrig. Denn Russland hätte nicht auf einem fremden Territorium ein Referendum abhalten dürfen. Das ist so, als würde Frankreich im Saarland ein Referendum darüber abhalten, ob die Saarländer nicht zu Frankreich gehören wollen. Gibt nicht wenige Leute, die sagen, auch das wär ne feine Sache.

Andererseits hatte die EU zusammen mit Russland und der Ukraine ein Abkommen beschlossen, für eine Zwischenlösung mit Janikowitsch an der Regierung. Und dann hat das ukrainische Parlament Janukowitsch einfach abgesetzt. Und zwar mit 100% der Stimmen. Doof war nur, dass die Hälfte der Abgeordneten bei dieser Abstimmung gar nicht anwesend waren. Und noch dööfer, dass für eine Absetzung von Janukowitsch eine ¾ Mehrheit nötig war. Dass Russland da jetzt von einem Putsch spricht, ist aber völlig übertrieben. Staatstreich klingt doch viel netter.

Und dann kommt dadurch in Kiew eine Regierung an die Macht, da sitzen auch ein paar Leute drin, wir soll man die nennen? Sagen wir mal: Stramme rechte Kameraden. Und wer hat mit diesen Leuten Verhandlungen geführt? Unser sozialdemokratischer Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Der war ja schon mal Außenminister in der Rot-Grünen Koalition. Und damals hat der den deutschen Bürger Murat Kurnaz wider besseren Wissens in US-Gefangenschaft verschimmeln lassen. Also manchmal, da scheint dem Steinmeier sogar der Zaun zu fehlen, an dem er nicht mehr alle Latten hat.

Und diese neue Regierung da in Kiew, die also nicht gewählt wurde, und in der Leute drin sitzen, die von Judensäuen und Russenschweinen sprechen, beschließt als aller erste Maßnahme, die Sprache Russisch im ganzen Land zu verbieten. Und jetzt kommt das Blöde: Im Osten der Ukraine leben aber ganz viele russisch-stämmige und russischsprechende Leute. Baden Württemberg hat das Motto: „Wir können alles, außer hochdeutsch.“ Würde jetzt die GroKo in Berlin beschließen, ab sofort im ganzen Land schwäbisch zu verbieten, würden wir aus Stuttgart nichts mehr hören. Gibt nicht wenige Leute, die sagen, auch das wär eine feine Sache.

Dass Russland sich jetzt um diese Leute in der Ostukraine Sorgen macht, ist aber völlig übertrieben. Schließlich bestehe exakt die selbe Situation in Syrien, und da hat Putin sein Veto gegen eine Intervention eingelegt. Und wenn zu gewaltsamen Ausschreitungen gegen Russen in der Ostukraine gekommen wäre, hätte man ja auch dann immer noch eingreifen können, und zwar genau so schnell und effektiv wie z B damals die Blauhelm-Einheiten in Srebrenica. 

Die entscheidende Frage in dieser ganzen Situation lautet dabei folgendermaßen: Wie würden sich eigentlich die Amis anstelle der Russen verhalten? Antwort: Gaaaanz anderes. Hat ja auch der Außenminister der USA, John Kerry vor Kurzem gesagt, Zitat: „Man kann im 20. Jahrhundert nicht mehr wie im 19. Jahrhundert Gründe erfinden um in ein fremdes Land einzumarschieren.“ Jetzt nehmen also schon Politiker aus den USA uns Komikern in Deutschland die Witze weg.

Aber eins steht fest: Obama würde nicht mit vermummten Einheiten operieren. Ein Friedensnobelpreisträger löst so ein Problem mit Drohnen.


Mein Problem dabei ist: Ich kann vieles verstehen.
Ich kann die Leute auf dem Maidan in Kiew verstehen,
und ich kann die Leute in der Ostukraine verstehen.  
Ich kann verstehen, warum Russland sich verhält, wie Russland sich verhält. Und ich kann verstehen, warum der Westen sich verhält, wie der Westen sich verhält. Ich kann verstehen, warum beide Seiten sich misstrauen, und ich kann verstehen, warum bei so einer Gemengelage ein Konflikt unausweichlich ist.

Nur zwei Dinge kann ich nicht verstehen.
Warum dieser Konflikt mit Waffen ausgetragen werden muss? 
Und warum ich in diesem Konflikt für eine Seite Partei ergreifen soll?


Kommentare

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4 Kommentare
#4 Dinauer, Paul schrieb am 28.04.2014 15:04

Den ersten und besten Text zu dieser Lage. Du sprichst mir aus der Seele, ich könnte dies nie so formulieren.

Warte immer regelrecht auf Deine Kommentare!

weiter so,

Paul Dinauer, Prien am Chiemsee

BUTZKOMMENTAR:
#3 Peter schrieb am 28.04.2014 10:43

Der letzte Satz ist eine sehr gute Frage. Und ein wichtiger Punkt: Es kann sein, dass sich zwei Typen prügeln, wo man zwar will, dass sie aufhören, aber man will nicht einem davon helfen.

BUTZKOMMENTAR:
#2 Jean-Patrick schrieb am 28.04.2014 10:42

Lieber Butzko, deine Briefe sind immer so fantastisch aktuell und bissig. Es ist nur schade, dass das Programm auf der Bühne noch aus den selben uralten Witzen und Merkelparodien besteht. Beim 3. Besuch (in München) war ich sehr enttäuscht. Jean-Patrick

BUTZKOMMENTAR:

Lieber Jean-Patrick,

ich spiele mein Programm "Herrschaftszeiten" seit September 2012, und selbstverständlich sind die Witze, abgesehen von den aktuellen Bemerkungen, die selben. Tipp: Wenn Du in Zukunft nicht mehr schwer enttäuscht sein möchtest, einfach nicht drei mal in das selbe Programm gehen. ;-)