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Offener Brief an Björn Höcke (FEBR 17)

 

Sehr geehrter Herrenmensch Höcke,

 

ich weiß, dass Sie jegliche Aufmerksamkeit grundsätzlich geil finden. Nicht nur bei Bestätigung, sondern auch bei Gegenwind. Sogar, wenn Ihnen Shitstorm und Empörungsorkan volles Pfund in die Fresse brettern, geht Ihnen so richtig einer ab. Wissen Sie doch ganz genau, dass auch negative Werbung besser ist als gar keine. Und deswegen haben ja auch Sie und Ihre Kameraden von der AfD für das Wahljahr 2017 das Motto ausgegeben: Provokation bis zum Anschlag! 

 

Wobei Anschlag normalerweise hier das unpassende Wort wäre. Im Fall Ihrer AfD ist es aber sogar das einzig zutreffende. Denn wer, wie Sie und Ihresgleichen 5 Minuten nach einem Terrorangriff nichts wichtigeres zu tun hat, als Hetze gegen Minderheiten zu twittern, dem ist die Wahlurne näher, als die Särge der Opfer.

 

Nicht, dass wir uns missverstehen, natürlich ist vieles an unserer Regierung kritikwürdig und die Situation in unserem Land ist auch durchaus geeignet, sich Sorgen zu machen. Aber Bürger, die sich Sorgen machen, nehmen an Diskussionen teil, liefern Argumente und machen Lösungsvorschläge. Sie hingegen liefern lediglich die Zutaten, die es braucht, um die Volksseele zum kochen zu bringen. Denn Sie wissen ganz genau, immer wenn die Volksseele kocht, gibt es nur noch einen Menüpunkt auf der Speisekarte: Abgestandene Sülze von gestern mit brauner Sauce.

 

Das widerliche ist, dass Ihre aufmerksamkeitsheischende Strategie aufgeht, und die gesamte Medienlandschaft Ihre werbeträchtigen Provokationen thematisiert. Und so komm auch ich nicht umhin, zu Ihrer Dresdner Rede noch etwas sagen zu müssen. Denn ich bin richtig sauer auf Sie. Aber so richtig. Und das aus Gründen.

 

Seit einem knappen halben Jahr spiele ich nämlich mein neues Programm „Menschliche Intelligenz“, und habe im zweiten Teil eine Nummer, die sich mit Ihrem berühmt-berüchtigten Vortrag zum afrikanischen Ausbreitungstyp beschäftigt. Und weil da irgend sone Jury von irgend sonem Kleinkunstpreis mal behauptet hat, ich sei investigativ, habe ich mir auch richtig Mühe gegeben, und es eben nicht dabei belassen, Sie zu mit Spott und Häme zu überschütten und einfach nur zu beleidigen, sondern ich habe diesen Vortrag analysiert, und bei Wissenschaftlern und Biologen recherchiert. Mit dem Ergebnis, dass eine 10-minütige Nummer entstanden ist, die sowohl Ihren geschickt getarnten Rassismus, als auch Ihren menschenverachtenden Mentalmüll im Detail widerlegen kann. Das schöne an dieser Nummer war, dass mich hinterher so mancher AfD-Sympathisant wissen ließ, dass er Dank meiner Argumente die nächste Wahlentscheidung noch einmal überdenken will. So weit, so gut.

 

Und was machen Sie? Kommen daher und halten in Dresden eine Rede, die so plump und dumpfbackig ist, dass jede grenzdebile Intelligenzamöbe intellektuell unterfordert ist. Halten eine so dermaßen durchschaubare und geschichtsdemente Rede, die für jeden Stolperstein in Deutschland eine Beleidigung darstellt.

 

Sagen Sie mal, für was habe ich mir eigentlich all die Arbeit gemacht, Sie in Ihrer Genialität des Bösen zu durchleuchten, wenn Sie jetzt davon nur noch die Banalität des Blöden übrig lassen? Für was habe ich Zeit und Hirnzellen investiert, Ihre hintertriebene Perfidie und demagogische Raffinesse aufzudecken, wenn jetzt jeder Klappspaten durchschaut, was Sie im Schilde führen? Für was habe ich zu Ihrer Entlarvung die Finger in die Tastatur gehackt, wenn Sie sich jetzt einfach selbst entlarven? Und also nicht nur Ihre persönliche zerebrale Zonenrandgruppe vorführen, sondern gleich auch Ihre gesamte Partei, die endlich unmissverständlich offenbart hat, wessen Geistesgülle sie ist, weil sie es nicht fertig bringt, Sie per Ausschlussverfahren achtkantig rauszuschmeißen?

 

Keine Bange, ich habe auch für Ihre Dresdener Rede wieder sämtliche Analyse- und Recherche-Ressourcen aktiviert, und mir Wort für Wort mehrmals zu Gemüte geführt. Und am Ende kann man nur zu einer Frage kommen, und die lautet, und zwar jetzt mal ganz ehrlich: „Geht’s Ihnen noch gut?“
Nein wirklich, ich mein das ganz ohne Polemik. Denn wenn man Ihre Sportpalast-Parodie wirklich auf einen Nenner bringen will, dann entdeckt man, dass aus jeder Silbe nichts anderes spricht, als nackte Angst. Also nicht nur Angst, sondern richtig Schiss. Sie haben die Hosen voll. Und zwar so sehr, dass Sie in dieser Rede sagen, so lange in der AfD dafür kämpfen zu wollen, bis Sie in diesem Lande 51% erreicht haben. Und das klingt natürlich ganz schön ehrgeizig. 

 

Aber wissen Sie was? Sie gehören nicht auf eine Regierungsbank, Sie gehören auf eine Therapeutencouch. Und auch das mein ich ganz ohne Zynismus. Tun Sie sich und uns den Gefallen, vereinbaren Sie 20 Stunden bei einem Psychologen, und versöhnen Sie sich mit Ihrer Ohnmacht, und lassen Sie Ihre Verletzlichkeit zu. Entdecken Sie Ihr weiches Herz unter ihrer harten Schale. 


Denn ich weiß ja nicht, wohin Ihr neunationalistischer Patriotismus führen soll, nur eines sollten Sie sich schleunigst klar machen: Noch mal wird’s hinterher keine Wiedervereinigung geben.

 

 

 

 


Kommentare

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6 Kommentare
#6 Herbert schrieb am 02.02.2017 18:56

H. G. wie er leibt und lebt und begeistert!

Aber: für was, für was, für was?

Da lehrt man uns im Deutschunterricht:

wofür, womit, wovon, worüber.....

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#5 Andreas Dick schrieb am 25.01.2017 14:27

ohne. Ist besser so

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#4 Ronald schrieb am 25.01.2017 11:56

Das ist nicht nur Kabarett, das ist genau die Antwort, die jeder im ganzen Land Leuten wie Höcke geben muss. Bravo!

Wer sich ausgeschlossen fühlt, solte nicht ganz rechts wählen, sondern bei Bürgerinitiativen, Vereinen, Verbänden, Parteien oder kirchlichen Gruppen an unserem Land und den Lösungen für die großen und kleine Probleme mitmachen. und natürlich auch ins Kabarett gehen!

BUTZKOMMENTAR: