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Not my president (DEZ 16)

Mein aktuelles Kabarettprogramm, mit dem ich derzeit auf Tour bin, trägt den Titel: „Menschliche Intelligenz“. Untertitel: „Oder wie blöd kann man sein?“ Und spätestens seit dem Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in den USA wäre zumindest diese Frage jetzt geklärt. Ich jedenfalls bin übrigens nicht unzufrieden, denn ein US-Präsident Donald Trump bedeutet immerhin vier goldene Jahre fürs deutsche Kabarett.

 

Der erste Gratulant war dann auch folgerichtig der berühmte US-Komiker George W. Bush, der sich erleichtert zeigte, nicht mehr als der peinlichste US-Präsident aller Zeiten in die Geschichte einzugehen.

Wobei die Antrittsrede von Trump dann gar nicht mal so peinlich war. So sprach er davon, der Präsident aller Amerikaner sein zu wollen, auch der Demokraten und Unabhängigen, aller Ethnien und Religionen. Und er wolle  auch mit allen Völkern auf der Welt nach Gemeinsamkeiten suchen und eine gute Verständigung anstreben. Und in dem Moment wusste man, warum Trump sich so lange Zeit ließ, bis er auf dem Podium erschien. Er musste zuvor noch eine Kreidefabrik kaufen und komplett verspeisen.

 

Diese Antrittsrede war wirklich überraschend. Verglichen mit dem, was er im Wahlkampf so alles von sich gab. Die schönste Pointe im Wahlkampf lieferte dabei seine Forderung, alle illegalen Einwanderer hätten gefälligst das Land zu verlassen. Worauf eine Abordnung der indianischen Ureinwohner ihn fragte, ob er das wirklich ernst meinte.

 

Aber im Vergleich zum Wahlkampf war die Antrittsrede geradezu bedächtig und auch richtig vernünftig. Diese Antrittsrede war sogar so vernünftig, das einige Trump-Sympathisanten sich schon fragten, ob sie die Wahl evtl. nicht anerkennen wollen. Aber als der neue Präsident dann sagte, dass er America wieder great machen will, und dabei unter anderem versprach, er wolle Autobahnen bauen, da wusste man: Wir haben uns nicht in ihm getäuscht.

 

Wie überhaupt sein Plan, America wieder great zu machen, noch sehr lustig werden könnte. So kündigte Trump an, er wolle mit erhöhten Staatsausgaben die Binnenkonjunktur ankurbeln, die Steuern senken, und Schulden abbauen. Also nicht nacheinander, sondern gleichzeitig: Staatsausgaben erhöhen, Steuern senken, Schulden abbauen.
Man stelle sich vor, Papi verkündet erstens, seinen Kindern eine Taschengelderhöhung, zweitens, seiner Bank, keine neuen Kredite aufzunehmen, und die alten noch schneller abbezahlen zu wollen, und drittens, seinem Chef, nicht nur auf eine Gehaltserhöhung zu verzichten, sondern im Gegenteil, ab sofort sogar mit weniger zufrieden zu sein. Frage: Wie lang wird es wohl dauern, bis Mami dem Papi in die Eier tritt?

 

Lustig dürfte es dann natürlich auch auf dem internationalen Parkett zugehen, wo die hohe Kunst der Diplomatie gefragt ist. Wladimir Putin ist mehrfach aus den G8-Gipfeln ausgeladen worden, weil man nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Da will ich die Merkel aber mal sehen, wenn sie in einer Nato-Konferenz den Mund aufmacht, und aus der amerikanische Ecke hört man ständig: „Wrong!“ „Lie!“ „Grab her by the pussy!“   

 

Denn was schert sich der Trump um internationale Gepflogenheiten. Sein Motto war: „Make America great again.“ „America first.“ usw... Und damit hat er die Wahl gewonnen. Das erinnert an diesen berühmten Spruch: „Wenn die Fahne weht, steckt der Verstand in der Trompete.“ Und was heißt Trompete noch mal auf englisch?

 

Am meisten Spaß aber haben mir mal wieder die Wahlforschungsinstitute gemacht. Im Juni letzten Jahres bin ich eines abends ins Bett gegangen, und die letzte Prognose lautete: „Die Brexit-Unterstützer liegen hinten.“ Im November bin ich ins Bett gegangen, und die letzte Prognose lautete: „Trump liegt hinten.“ Was freu ich mich schon auf den Vorabend zur deutschen Meisterschaft, wenn ich hör: „Schalke 04 liegt hinten“.

Am allerschönster aber gefiel mir, wie unsere Politiker in Deutschland sich wieder in ihren üblichen Phrasen und Floskeln ergossen, von wegen, man habe den Warnschuss verstanden, und müsse jetzt die Sorgen der Bürger ernst nehmen. Und wie ernst sie das meinen, die Sorgen ernst zu nehmen, haben sie auch sofort unter Beweis gestellt, indem sie Frank Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten machen. Also den Mann, der als Kanzleramtsminister und Chefkoordinator der deutschen Geheimdienste weder zum NSA-, noch zum NSU-Skandal was Klärendes beitragen wollte. Also den Mann, der als Außenminister den deutschen Bürger Murat Kurnaz 4 Jahre lang in Guantanamo verschimmeln ließ. Und nicht zuletzt also den Mann, der als Architekt der Agenda 2010 auf dem deutschen Arbeitgebertag 2013 sich von den versammelten deutschen Konzernbossen abfeiern ließ. Weil die Geissens als deutsche Version der Trumps nicht zur Verfügung stehen, einigte man sich also auf die deutsche Version von Hillary Clinton.

Nach dem Wahlsieg Trumps gab es in den USA umgehend Proteste unter dem Motto: „Not my president.“ Auf einen Frank Walter Steinmeier im Schloss Bellevue könnte das auch passen.

 

Und um die Sorgen der Bürger so richtig ernst zu nehmen, verkündete dann auch Angela Merkel, dass sie wieder als Kanzlerkandidatin antreten möchte. Dabei gehe es ihr vor allem darum, den Zusammenhalt in der Gesellschaft wieder herzustellen. Wobei sich da natürlich die Frage auftut, wer es eigentlich gewesen ist, der diesen Zusammenhalt zuvor überhaupt erst zerstört hat. Kleiner Tipp für die Antwort: Wenn Angela Merkel nochmal Kanzlerin wird, um den Zusammenhalt in der Gesellschaft wieder herzustellen, dann macht man damit den Bock unter Umgehung des Gärtners direkt zum Landschaftsverwüster.

 

Und dann bin ich doch schon sehr gespannt, ob ich am Abend vor der Bundestagswahl ins Bett gehe, und die letzte Prognose lautet: „Die AfD liegt hinten.“ Na dann: Gute Nacht!

 


Kommentare

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1 Kommentar
#1 Günter Riedl schrieb am 28.11.2016 11:42

Frau Merkle hat im Interview mit A. Will auch noch etwas bemerkenswertes von sich gegeben. " Der Wahlkampf ist die beste Gelegenheit mit den Menschen zu sprechen." Und dann 3 Jahre 6 Monate nicht mehr. Das ist doch Wahnsinn, oder? Und zu den Wahlforschungsinstituten.... Sie gehören in einen Topf mit den Meteorologen.

 

VG

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