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Lügenhose! Lügenhose! (NOV 17)

Liebe Freunde des politischen Kabaretts,

letzten Monat hatte ich bei meinem lieben Freund Helmut Schleich einen Auftritt in der BR-Sendung Schleichfernsehen, den man sich hier noch mal angucken sollte -> klick 
Denn nach diesem Auftritt bekam ich eine Nachricht von einer Sieglinde K., die mir vor Augen führte, wo der Schuh drückt in der Gesellschaft, und welche Sorgen die Leute wirklich beschäftigt. 

Geht’s um den Eklat mit rechten Verlagen auf der Frankfurter Buchmesse? Iwo! Geht’s um den erneuten weltweiten Aufschrei von Frauen gegen Sexismus? Auch nicht! Geht’s darum, dass man auf dem Kölner Comedy-Festival bemerkt hat, dass die deutsche Comedy-Szene unter dem Deckmantel des Humors Diskriminierung und Menschenverachtung verbreitet. Was wäre daran neu?

Nein, Sieglinde öffnete mir die Augen für ein Problem, das sich erschütternderweise permanent unter dem Radar der Öffentlichkeit befand, und deren schockierende Wirkung ich Euch nicht vorenthalten möchte. Und deswegen gibt es hier jetzt noch mal exklusiv für Euch den original Chatverlauf zwischen Sieglinde und mir:

Sieglinde:
Guten Abend Herr Butzko, gerade ist das Schleichfernsehen zu Ende. Ihr Beitrag hat uns gut gefallen. Ihre auf alt getrimmte Jeanshose hat uns aber nachdenklich gemacht. Haben Sie noch nichts davon gehört, unter welchen Umständen diese Jeans produziert werden? Ganz davon abgesehen, wie hirnrissig es ist NEUE JEANS unter höchst gesundheitsschädlichen Umständen kaputt machen zu lassen und dann auch noch einen hohen Preis dafür zu bezahlen, nur weil irgendwer behauptet, dass das chic, in oder trendy ist..

Butzko:
Hallo Sieglinde. Vielen Dank für Ihr feedback. Leider zielt Ihre Kritik kilometerweit ins Leere. Denn die Hose ist sechs Jahre alt, also nicht auf alt getrimmt, sondern alt, also wirklich alt. Und kaputt. Und nicht chic. Und schon gar nicht trendy. Sondern einfach nur mein persönlicher Ausdruck von Konsumverweigerung. Schade, dass Sie das nicht erkennen konnten. Aber sei’s drum, Hauptsache, erst mal der eigenen Empörung Luft gemacht, ohne Kenntnis des Sachverhalts. Oder wie Sie es genannt haben: hirnrissig. (gefällt mir)

Sieglinde:
Klasse ... Angriff ist die beste Verteidigung (gefällt mit nicht)! Und wirklich schade, dass Sie es nicht zugeben mögen, dass das eine "hochmodische" Hose war, die sie bei Schleichfernsehen getragen haben, die von Frauen mit Hungerlöhnen in Indien, Bangladesh oder China auf alt getrimmt wurde. Keine (!!) Jeans bekommt nur vom (auch jahrelangen) Tragen diese typischen "Beschädigungen". Es ist kein Verbrechen modische Hosen zu tragen, aber dann sollte Mann wenigstens wissen, wer für ihn dafür seine Gesundheit gelassen hat! Für wie dumm halten Sie Ihre Zuschauer eigentlich? Ich empfinde Ihre Antwort als arrogant und dumm. Schade, ich hatte Ihnen mehr Intelligenz zugetraut. Aber vielleicht lockern Sie Ihren "Konsumverzicht" ja mal, um sich ein paar Berichte zum Thema "schmutzige Kleidung" anzusehen, Horizonterweiterung kann nie schaden!

Butzko:
Also, jetzt wird’s aber langsam richtig lustig mit Ihnen. Wenn Sie die Wahrheit als arrogant empfinden, wie muss es Ihnen erst gehen, wenn man Sie mal anlügt. Also, (auch wenn ich niemandem Rechenschaft schuldig bin) ein letzter Versuch -> Die Hose hat genau zwei Löcher, nämlich da, wo an meiner vorderen Hosentasche im Laufe der Zeit meine Geldbörse, bzw mein Haustürschlüssel von innen das Material aufgerauht hat.
So und jetzt muss ich aufhören, mit Ihnen zu schnacken. Mein Starbucks-Kaffee wird langsam kalt und ich muss noch los zu McDonalds.

Sieglinde:
Idiot!

 

 

 

 



Kommentare

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13 Kommentare
#13 Jörg schrieb am 09.11.2017 14:34

Achja, vor allen Dingen das abschließende "Idtiot!" ist ja ein Klassiker im derzeit wütenden Postfaktismus, der außerdem oft mit "whataboutism" Hand in Hand geht.

 

Ich habe es mir inzwischen abgewöhnt, auf anonyme Hater einzugehen (S. ist wohl auch eine von der Sorte, die sich für gewitzt hält, "gefällt mir nicht", haben wir gelacht).

 

Die Zeit wird knapp, so daß es mir inzwischen wichtiger geworden ist, im direkten Umfeld gegen Flüchtlingshetze, Ehe-für-Alle-Gegener und aktuell die Intersexuellen-Basher anzugehen. Im Umfeld etwas verändern, die Leute darauf aufmerksam machen, z.B. daß wir längst in der Ein-Fünftel-Gesellschaft angekommen sind (20% von allem: Kinder-, Erwerbs- und Altersarmut) oder daß wir dabei sind, uns frei nach Hagen Rether selbst abzufrühstücken.

 

Das außerdem gute am Newsletter ist, daß ich die 4:30 beim Schleichfernsehen nachholen konnte,- Hater haben es ja drauf, daß man die Sachverhalte, die sie konstruieren, überprüfen möchte. Als nachdenkender Mensch zumindest möchte man ja mit substantiellen Fakten aufwarten, also mußte ich die Hose sehen.

 

Fand letztlich aber das Thema als solches viel interessanter, auch wenn ich schon bei "wir waren 30 und wir haben alles zusammen gemacht" wußte, was kommen mußte, der Religionsunterricht.

 

Und ja, das ist es, was trennt. Alle Menschen seien ja gleich, lehren die Papiere. Aber was auf dem Papier steht, wird nicht gelebt. Stichwort Nächstenliebe. Im Namen der imaginären Freunde aus der jeweiligen Religion wird dann gegen ebenjene Flüchtlinge gebasht (als ob es die Mißstände im unteren Fünftel und darüber nicht schon vorher gegeben hätte), bei der Ehe für Alle und auch jetzt bei der Intersexuellen-Rechtsprechung von "Sonderrechten" gesprochen, und es tritt ein höchst fragwürdiges Demokratie-Verständnis zutage.

 

Das Traurige an der ganze Nummer ist, daß Wahlen eben immer noch nichts verändern, weil das untere Drittel wahlmüde ist (siehe Studien zur Thematik "Bildung und Einkommen in Relation zu Wählerverhalten"), weil das obere 1%, das man nicht ergooglen kann, über immer mehr Mittel verfügt, um das mittlere und obere Drittel mit Zuwendungen in Schach zu halten, und weil des Wählers Gedächtnis einfach viel zu kurzzeitig ist, denn anders kann ich mir nicht erklären, daß ein 100.000-Mark-Schäuble Bundestagspräsident werden konnte, die Grünen mit ihrer Kriegstreiberei und Agenda2010-Unterstützung weit oberhalb der 5% liegen, und ein "Tauber" Generalsekretär, der nichts außer Dienen gelernt hat, und der zum Zweitjob rät, wenn die Kohle nicht reicht, immer noch den Mund aufreißen darf und jetzt seine "Ideen" bei Jamaika unterbringen darf.

 

Wo geht die Reise hin? Die Anstalt vom 7.11. gibt einsichtige Antworten.

 

Gruß in die Heimat, den guten alten Pott!

BUTZKOMMENTAR:
#12 Thomas Meid schrieb am 07.11.2017 12:54

Hallo Herr Butzko.

 

Da hat Sie mal wieder jemand mit einem Proktologen verwechselt.

Menschen wie Frau K. wollen Wahrheiten gar nicht mehr kennen oder gar verstehen.

 

Arithmetik der Neuzeit. Eine Wahrheit plus eine andere Wahrheit gleich meine eigene Wahrheit.

 

Frau K. hatte durch Ihren Einwand, lediglich eine ehrlich verschlissene Hose zu tragen eine zweite Chance, die sie aber gar nicht haben wollte. Das finde ich besonders traurig.

 

Solche Menschen erreichen wir nicht. Damit bleiben Themen, wie sie bei SchleichFernsehen angesprochen worden sind unter dem Radar von Frau K.

 

Wenn wir schon nicht die Wahrheit herausbringen, dann wenigstens die Wirklichkeit (H. D. Hüsch). Frau K. leugnet beides. Das muss man erstmal schaffen.

 

Ich trage meine Jeans auch so lange wie möglich, mit den gleichen Schlüssel-Löchern.

 

Halten Sie durch, Herr Butzko!

 

Viele Grüße,

Thomas Meid

BUTZKOMMENTAR:
#11 H.Heim schrieb am 05.11.2017 08:57

August von Kotzebue (1761-1819; dt. Dramatiker und Schriftsteller) hat im Voraus dazu treffend bemerkt: "Der Mensch ist mit nichts auf der Welt zufrieden, außer mit seinem Verstande. - Je weniger er hat, desto zufriedener."

Und jetzt ist die arme Sieglinde auch noch bloßgestellt von Ihnen.

Wie wäre es noch mit K. Tucholsky: "Meine Sorgen möcht' ich haben!"

Machen Sie weiter so, Herr Butzko, auch wenn die Unbelehrbaren immer wieder meinen werden, sie hätten Recht. Egal, wie Unrecht sie haben.

Kabarettistische Grüße

BUTZKOMMENTAR: