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Griechenland Kali nix da (MAI 10)

Liebe Freunde und Förderer des politischen Kabaretts.


Ist das nicht alles unglaublich, was da grade abläuft?
Die Börsenzocker zocken schon wieder rum.
Gegen die Griechen. 
Deswegen müssen wir die mit unseren Steuergeldern retten.
Also die Griechen.
Die Zocker haben wir schon letztes mal gerettet.
Auch mit unseren Steuergeldern.
Mal kucken, wen wir das nächste mal retten.
Deswegen heisst das Ganze ja auch Rett-zession.
Da sind wir die Deppen.
Deswegen heisst das nächste, was dann kommt Depp-ression.

Aber überleg mal:
Wir retten mit einem Schutzschirm aus unseren Steuergeldern die Existenz von Börsenzockern, die als Dank dafür unter diesem Schutzschirm gegen uns Steuerzahler, ihre Retter zocken.
Ich mein, da suchen wir Terroristen am Hindukusch?
Wir sollten vielleicht mal unsere Bundeswehr an der Börse stationieren!

5 Hedgefonds-Manager treffen sich in New York aufn Kaffee,
und tags drauf ist Griechenland zahlungsunfähig.
Man fragt sich, wie ist das möglich, dass einzelne Spekulanten so viel Geld zur Verfügung haben, dass sie ganze Länder in den Bankrott treiben können?
Wie gut, dass sich nicht 10 Manager getroffen haben.
Sonst wäre Schalke 04 jetzt auch noch pleite.

Des Rätsels Lösung:
Die Notenbanken bieten seit einigen Monaten Kredite für quasi 0% Zinsen an, damit in Zeiten der Finanzkrise Unternehmen günstig an Kohle kommen. 
Und was passiert? 
Bloss 10% von diesem billigen Geld kommt überhaupt nur in der Wirtschaft an. 
90% davon leihen sich diese Zocker aus, und kaufen damit z B griechische Staatsanleihen. 
Weil die Zinsen, die sie dafür kriegen höher sind, als die Zinsen, 
die sie für ihr geliehenes Geld zahlen.
Halten wir fest:
Die Finanzkrise gabs, weil zu viel Geld für zu wenig Zinsen im Umlauf war.
Und als Mittel dagegen gibts seitdem noch mehr Geld für gar keine Zinsen.
Du rettest einen vorm Ertrinken, und das erste, was du ihm gibst,
sind 3 Liter Wasser.

Damit aber nicht genug: 
Gleichzeitig kaufen die gleichen Spekulanten von diesem billigen Notenbankgeld außerdem auch noch Kreditausfallversicherungen für griechische Staatsanleihen.
Das heisst, sollten die Griechen auf ihre Staatsanleihen keine Zinsen zahlen können, dann bekommen diese Spekulanten von einer Versicherungsgesellschaft noch mehr Geld, als sie Zinsen für ihre Anleihen bekommen würden.
Globalisierungskritiker nennen das übrigens "Casinokapitalismus",
was als Vergleich jedoch hinkt.
In einem Casino ist es nämlich auch möglich, zu verlieren.

Und jetzt kommts: 
Diese Kreditausfallversicherungen werden als Wertpapiere gehandelt, allerdings nicht öffentlich an der Börse, sondern nur unter den Banken untereinander.
Spätestens hier macht der Begriff "Casino" überhaupt keinen Sinn mehr,
denn Hinterzimmer wäre des passendere Wort.
Und deswegen stationiert man die Bundeswehr auch lieber in Afghanistan.
Weil die Lage am Hindukusch einfach übersichtlicher ist.

Der Trick dabei ist folgender:
Je wahrscheinlicher wird, dass Griechenland seine Zinsen nicht ausbezahlen kann, desto mehr steigen diese Kreditausfallversicherungswertpapiere dann in ihrem Wert, 
Das heisst: Um mit diesen Ausfallversicherungen ein Geschäft zu machen ist es unwichtig, ob die Griechen tatsächlich zahlungsunfähig sind. 
Es reicht, wenn sie in den Ruf geraten, zahlungsunfähig zu sein.

Und da traf es sich doch ganz gut, dass am 13. Mai 2010 ein gewisser Josef Ackermann, seines Zeichen deutscher Chef aller Oberzocker
bei Maybritt Illner im ZDF ein öffentlich- und rechtliches Forum erhielt,  
um an der Zahlunsfähigkeit Griechenlands fröhlich seine begründeten Zweifel verkünden zu dürfen.
Wann hat man jemals gesehen, dass in einem Casino die Kugel auf eine Zahl rollt, WEIL man auf sie gesetzt hat.

Und gegen all das kann Frau Merkel übrigens nichts machen.
Und Herr Schäuble auch nicht.
Und Herr Brüderle sowieso nicht.
Man weiss nicht, was mehr Nullen hat: 
Der Milliarden-Schutzschirm für den Euro.
Oder unsere Regierung.

Denn bei dieser ganzen Angelegenheit frage ich mich nämlich folgendes:
Wenn Griechenland tatsächlich pleite gehen sollte, dann würden doch all diese schönen Kreditausfallversicherungen den ganzen Verlust ersetzen.

Wofür also müssen wir die dann eigentlich noch mit unseren Steuergeldern retten?


Kommentare

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1 Kommentar
#1 sven schrieb am 18.05.2010 21:51

Einfach schön auf den Punkt gebracht...

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