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Empathieübung für Patrioten (MAI 15)

Liebe europäische Patrioten, 

Stellt Euch vor, Ihr müsst fliehen.

Ich weiß, das ist eine Empathieübung für Einsteiger, aber irgendwann muss man ja mal damit anfangen. Also, Ihr lieben europäischen Patrioten, solltet Ihr davon ausgehen, dass jemand seine Heimat einfach nur so verlässt, weil’s ja Spaß macht, dann kommt jetzt die erste unbequeme Information: Es muss erst das Maß voll sein, an dem man die Entscheidung trifft, alles zurückzulassen, und lieber ins Ungewisse zu gehen, als in der Perspektivlosigkeit zu bleiben. Und bei diesem Maß handelt es sich nicht um ne Maß in einem Bierzelt. Zumal das, was einen Flüchtling in Deutschland an Gastfreundschaft und Willkommenskultur erwartet, ihm so ungewiss gar nicht ist. Dass er trotzdem kommt, sollte Euch Hinweis genug sein, wie schlecht es ihm erst in seiner Heimat gehen muss.

Zweite unbequeme Information: Dies gilt nicht nur für politisch Verfolgte, sondern auch für sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge. Ich weiß nicht, ob es sich bei Euch europäischen Patrioten schon rumgesprochen hat, aber es ist zwar nicht ausschließlich, aber schon auch unsere Politik, die Menschen in anderen Ländern in die Flucht treibt. Wer Ressourcen ungleich verteilt, sich auf Kosten anderer bereichert, Wohlstand mit Ausbeutung finanziert, Lebensmittel vernichtet und Hunger erzeugt, und dann in diese Regionen womöglich noch Waffen liefert, wer all das sät, wird Flüchtlinge ernten.

Und dann gibt es Vorzeigeeuropäer, wie z B den Käpt’n Ahab vom Münchener Ifo-Institut, Ökonom Hans Werner Sinn, die plädieren für eine gesteuerte Einwanderungspolitik, die vor allem gezielt hochqualifizierte Arbeitskräfte ins Land holt, ohne Ansehen ihrer Nationalität oder Religion. Denn je besser gebildet Migranten seien, desto mehr brächten sie dem Staat ein.
Was Herr Sinn damit sagen will: Wer für unsere Ökonomie keinen Wert besitzt, kann im Mittelmeer verrecken. Nun, wie sagte schon Käpt’n Ahab in Moby Dick:
"All meine Mittel waren vernünftig, nur mein Ziel war verrückt." Und ich weiß ja nicht, ob schon mal jemand den ökonomischen Wert von Hans Werner Sinn berechnet hat, aber gegen seine Abschiebung hätte ich keine Einwände. Obwohl – das arme Land, das den aufnimmt.

Liebe europäische Patrioten, jetzt mal ganz langsam, und nur für Euch:
Es ist die selbe Politik, die Flüchtlinge erzeugt, dann verhindert, dass diese Flüchtlinge es übers Mittelmeer zu uns nach Deutschland schaffen, und sich dann empört äußert, wenn bei uns leerstehende Asylunterkünfte angezündet werden.

Und darum jetzt mal eine Empathieübung für Fortgeschrittene: Stellt Euch vor, Ihr müsst fliehen, und überall wo Ihr hinkommt, hört Ihr: „Ausländer raus“.


Kommentare

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6 Kommentare
#6 Johannes Leuth schrieb am 02.05.2015 23:04

Herr Butzko, sie sprechen mir total aus der Seele. Auch ich habe diese Argumentation benutzt, wenn gegen Flüchtlinge und Asylanten gewettert wurde. Diese Wahrheiten können einfach nicht oft genug gesagt werden. Weiter so!!

BUTZKOMMENTAR:
#5 Dinauer, Paul schrieb am 01.05.2015 17:40

Ich werde das Schiff steuern, wenn Käpt´n Ahab das Land verläßt!

Freue mich schon auf die nächsten TV-Auftritte

Kommentar, Super!

BUTZKOMMENTAR:
#4 Heinrich Glöckle schrieb am 01.05.2015 16:52

Hallo alle zusammen,

eines wurde bem ganzen nicht bedacht. Flüchtlinge, welche diese Summen aufbringen können, hatten eine Ausbildung und ein Einkommen. Diese Menschen werden nun dem Land fehlen, um Verbesserungen und Veränderungen vor Ort zu erreichen, auch unter Kriegsbedingungen und Diktatoren. Die große restliche Gruppe der armen und Analphabeten müssen zurück bleiben und zurecht kommen. Die gebildete Mittelschicht fehlt dem Land und wir fühlen uns auch noch als Retter. Eigentlich eine weitere Art der Ausbeutung und Kolonialisierung. Es hat eben doch alles zwei Seiten. Was ist für uns da das Richtige zu tun?

Heinrich Glöckle

BUTZKOMMENTAR: