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Brief an "12-Fly"

An die Chefs von
1 2 Fly
Karl - Wiechert - Allee 66

30625 Hannover



Würzburg, den 18.09.98




Sehr geehrte Damen und Herren,


von Mittwoch, dem 09.09. bis Mittwoch, den 16.09.1998 machten wir Urlaub mit Ihrem Unternehmen 1 2 Fly (Motto: Bei diesen Preisen muß man reisen).
Der Weg führte ins „gepflegte“ 3 1/2 - Sterne - Urlaubshotel „Roselands“ in Marmari auf der wunderschönen griechischen Insel Kos.

War das ein Urlaub!

Zwar hatte von 2375 Abflügen am Frankfurter Flughafen am 09.09. ein einziger Verspätung, nämlich unserer, aber was solls, positives Denken ist angesagt.
Schließlich hat man Urlaub. Dann beginnen unsere Ferien eben mit einer zweistündigen Sightseeing-Tour durch die heimelige Atmosphäre des Rhein-Main-Airports, um sodann noch freudiger das Flugzeug der LTU zu betreten.
Der Kapitän begrüßte uns auch recht charmant, und teilte mit, daß er die näheren Umstände für die Verspätung demnächst noch erläutern wird, und schon rollte das Flugzeug los zur Startposition.
Allerdings nicht, ohne zuvor nicht noch unseren Humor zu testen.
So sah sich nämlich irgendein Witzbold von der Crew veranlaßt, den Titelsong des Hollywoodstreifens „Titanic“ durch die Lautsprecher zu schicken. Und irgendwie hatten diesen Klänge innerhalb eines Flugzeuges die Qualität, daran zu erinnern,
daß Eisen schwerer als Luft ist, sowie daran, daß es acht Tage zuvor bei Halifax dieses Swiss-Air-Unglück gab.
Und sprichwortbekanntermaßen kommt ein solches ja selten allein.
Erst eine Startverzögerung, dann jetzt diese Melodie - ein Omen?
Es war darum auch nicht verwunderlich, daß die Einspielung nach ewigen Sekunden derartig abrupt stoppte, als hätte man einen Teenager beim heimlichen Rauchen auf der Schultoilette erwischt.
Also hurtig 2 Liter Baldrian aus der Reisetasche gezogen, auf ex runtergekippt,
und - hopp oder top - dem Start entgegengefiebert.
Der Tatsache, daß Sie diese Zeilen empfangen, können Sie ableiten, daß jener geklappt hat.

So flogen wir über den Wolken gen Griechenland, genossen Service und Kompfort an Bord, um nach etwa eineinhalb Stunden den Worten des Kapitäns zu lauschen, der also sprach, daß es für die zweistündige Verspätung „diverse Gründe“ gab, und wir jetzt zollfrei einkaufen können.
Aha, die näheren Umstände waren also diverse Gründe. Hm?
Wir dankten für diese beruhigenden Informationen, öffneten eine 5 Kilo-Packung Valium, kratzten diese bis zum letzten Staubkrümel aus, und sehnten uns der Landung entgegen.
Nach eben dieser konnte ich es mir allerdings nicht verkneifen, die Stewardeß am Ausgang zu fragen, was denn nun diese Gründe im Genauen waren, und zur Antwort bekam ich zu hören, daß der Kapitän doch durchgegeben habe, daß es eine Verspätung gab.
Ich weiß, Kommunikationsstrukturen sind bisweilen kompliziert, ergo unternahm ich einen zweiten Anlauf, und wollte wissen, was denn nun aber eben die Gründe für diese Verspätung waren, um mit einem kukidenterprobten Lächeln zu erfahren, daß es beim Start zum Hinflug eine Verspätung gab.
Also, irgendwie konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß man unter keinen Umständen mitteilen wollte, was da nun tatsächlich los war.
Vielleicht ein Radreifen gebrochen?
Oder gar ein Plutoniumschmuggel des BND?
Obwohl; bei dieser Art der Informationspolitik dürfte es sich vermutlich eher um einen kompletten Castorbehälter gehandelt haben, der sich an Bord befunden haben muß.
Die Welt wird es wohl nie erfahren.
Sollte ich mich innerhalb der nächsten 50 Jahren wegen radioaktiver Strahlungen in ärztliche Behandlung begeben müssen, werde ich Ihnen die Rechnung schicken.

Hinaus also in die mediterrane Atmoshäre der Ägäis. Der Sonnenuntergang am ersten Abend ist zwar ohne uns und daher im doppelten Sinn ins Wasser gefallen. Aber jetzt auf zu unserer Unterkunft. Schließlich ist es schon spät, Zeit zu schlafen.
Im Hotel angekommen fiel dann als erstes an der Rezeption auf, daß man sich einen Safe gegen eine Gebühr mieten darf, aber selber dafür verantwortlich ist, wenn etwas daraus gestohlen wird. Wahrscheinlich ist dann also diese Gebühr besagter Diebstahl, für den man selbst verantwortlich ist.
Schon wieder ein Humortest? Selten so gelacht.
Doch plötzlich erhielt als nächstes ein Hinweisschild unsere absolute Zuwendung.
Auf dem stand geschrieben:

„Hier kann man elektronische Moskitoabwehrmaßnahmen kaufen.“

Hey, das war doch mal ein entgegenkommender, kundenfreundlicher Service, von dem gar nichts im Urlaubskatalog zu lesen war.
Aber moment! Heißt das nicht andererseits, daß ein solches Schild nur dort angebracht ist, wo es auch Sinn macht, will sagen, wo es Moskitos gibt.
Und hat sich nicht darüberhinaus in unzähligen Tests erwiesen, daß diese Steckdosen-Anti - Mücken - Mittel gar nichts nützen, sondern eher nur für Menschen gesundheitschädlich sein können?
Ein erster Blick ins Zimmer übertraf unsere kühnsten Befürchtungen:
An Zimmerdecke und Wänden klebten ein rundes Dutzend zu Schmierbatzen transformiert erschlagene Insektenkadaver.
Entweder war das die Ausbeute unserer Vorgänger allein aus der letzten Nacht, oder das Zimmer ist schon länger nicht mehr gereinigt worden. Beides sprach nicht unbedingt für das Hotelierbewußtsein, in dem wir zu Gast sein durften.
Oder war es vielleicht das, was Ihr Katalogautor gemeint hatte mit der Formulierung

„im Landesstil eingerichtete Zimmer“?

Leicht zögerlich öffneten wir als nächstes die Tür zur Dusche/WC und standen (potzblitz) vor einer Wand. Dazwischen befand sich ein Waschbecken, eine Toilette und eine Duschecke mit Zazikianbau an den Rändern, oder waren es etwa ungewollte Schimmelkulturen?
Und selbstverständlich hatten wir auch nicht mit vergoldeten Armaturen gerechnet, aber zumindest irgendwie doch mit geputzten.
Unsere Augen folgten der einerseits unvermeidlichen, obligatorischen Ameisenstraße den Boden entlang, über das Waschbecken, welches die unvermeidlichen, obligatorischen Seifestückchen andererseits vermissen ließen, bis unser Blick schließlich auf ein nächstes Schild fiel, auf dem zu lesen stand:

„Bitte werfen Sie kein Papier in die Toilette. Benutzen Sie den Eimer“

„Äh....“, so fragte man sich, „ist das jetzt wirklich so gemeint, wie es da steht?
Sollen wir wirklich KEIN Papier in die Toilette werfen?
Also GAR KEIN Papier?“
OK, wir sind zwar deutsche Staatsangehörige, aber soo weit ging unser Gehorsamszwang dann doch nicht, und wir entschieden uns in dieser Woche für zivilen Widerstand und haben gewisse benutze Papiere NICHT in den Eimer geworfen.

Als nächstes stellte sich für uns aber nun erst die Frage, das Fenster aufzulassen und eine Moskitoinvasion in Kauf zu nehmen, oder das Fenster geschlossen zu halten und unsere nächtliche Aufmerksamkeit den 687 Dezibel der Klimaanlage zu widmen, oder aber den Erstickungstod zu riskieren.
„Schlafen - nichts weiter! - und zu wissen, daß ein Schlaf das Herzweh und die tausend Stöße endet, die unsers Fleisches Erbteil - ‘s ist ein Ziel, aufs innigste zu wünschen - schlafen - schlafen! Vielleicht auch träumen!“
Soweit Hamlet in seinem berühmten Monolog.
Und mehr sei auch zu unseren Sehnsüchten nach nächtlichen, urlaubsgemäßen
Ruhe- und Erholungsphasen nicht gesagt.
Es gibt 5000 ökologisch unbedenkliche Möglichkeiten Insekten abzuwehren, inklusive Fliegengitter vor geöffnetnen Fenstern, man muß sie nur wollen, das aber heißt, man muß überhaupt grundsätzlich als Gastgeber ein Interesse daran haben.

Und als in den frühen Morgenstunden dann doch die Müdigkeit die Augen verschloß, wurde man - zack zack - vom Klopfen des Zimmermädchens und ihres Zigarettenqualmaromas, welches unter der Zimmertüre in unser Schlafgemach schlich, wieder in den Wachzustand zurückgerissen.
Irrtümlich müssen wir wohl angenommen haben, wir seien erwachsene Menschen, die im Urlaub sind, ein Zimmer gebucht haben, und ausschlafen wollen dürfen. Doch jetzt stellte sich heraus, daß wir uns auf Klassenfahrt im Schullandheim befinden.
„Richtig“, so fiel es einem wieder ein, „das war es, was neben der Seife ebenfalls abwesend war: das normalerweise unvermeidliche, obligatorische „Do not Disturb“ - Schild.“ (Ansonsten gab es jede Menge Schilder. Doch dazu später mehr.)
Nach dem dritten Klopfanlauf hatte besagtes Zimmermädchen dann aber wohl ein Einsehen, und blieb von unserem Zimmer fern, um sodann allerdings den ganzen Tag auch nicht wiederzukommen, also ebenfalls nicht, während wir am Strand weilten, und nun eigentlich Gelegenheit gewesen wäre, das Zimmer zu säubern.
Dies könnte dann auch eine Erklärung für den Zustand unserer Räume gewesen sein.
Doch muß man fairerweise anführen, daß an anderen Tagen das Reinigungspersonal sehr wohl den Weg in unser Etablissement gefunden hatte.
Nur, was es dort tat, bleibt fraglich.
Es geht ja nicht darum, vom Boden essen zu können, aber als 20 - monatiger Zivildienstleistender in der mobilen sozialen Alten- und Behindertenpflege weiß ich sehr wohl, wie man putzt, und wie man nur so tut, als ob man putzt. Doch zumindest habe ich damals wenigstens immerhin noch bei jedem Raum das Putzwasser gewechselt.
Sonst ist nämlich eine Nasenhöhe von mindestens 1 Meter über dem Zimmerboden dringend erforderlich, sowie das Barfußumherlaufen nur für Fußpilzfetischisten zu empfehlen.

Nichts wie weg also an den Strand, wo uns ein wirklich netter Mensch Liegen und Sonnenschirme anbot, und sich freundlich erkundigte, in welchem Hotel wir denn untergebracht seien.
Aber als wir den Namen „Roselands“ erwähnten, konnten wir dann doch ein gewisses skeptisches Schmunzeln in seinen Gesichtszügen entdecken, mit denen er uns fragte:
“Und? Food OK? Moskito OK?“
Ja Hoppela.
Also derartig gefragt, beschlich uns natürlich ein Hauch von Zweifel, aus welchem Grunde wohl besagter Mann erst das Essen erwähnte, und als zweites die Moskitos. Sollte die Reihenfolge willkürlich oder bewußt gewählt worden sein?

Ein Blick auf das abendliche Buffet ersparte uns dann nicht die Antwort.
Nun ist die griechische Küche ja bekannt für ihre kulinarische Einmaligkeit und eine nicht unerhebliche vegetarische Tradition.
Wieso man uns aber allen Ernstes in unserem Griechenlandurlaub „ungarisches Gulasch“ anbot, wird man vielleicht bei der nächsten UN-Vollversammlung ausgiebig erörtern müssen.
Wie auch darüberhinaus der Begriff „Buffet“ eventuell demnächst doch mal einer
Din-Norm unterzogen werden sollte.
„Oder ist dieses Buffet“, so fragt man sich, „vielleicht für griechische Verhältnisse etwa bereits ein Orgien - Gelage?“ Auf einem Tisch stand, selbst bei näherem Hinschauen lediglich

1.) ein Kessel Suppe,
2.) ein Kessel Fleisch,
3.) ein Kessel erwärmtes Konservengemüse
4.) und ein Kessel mit Kartoffelbeilage.
5.) Desweiteren eine Schüssel mit Salat,
6.) eine Schüssel Zaziki,
7.) eine Schüssel Oliven,
8.) sowie eine Schüssel Peperoni.

Dieses Buffet stand offenkundig, auch ohne Schild, unter der Devise:

Löffeln Sie sich das eine Menü selber auf Ihren Teller!

Wie originell!
So rationalisiert man Zeit in der Küche, kann sich darüberhinaus die unvermeidliche, obligatorische Salatblatt-Tomaten-Petersilien-Deko für den Teller sparen, und bastelt währenddessen aus den leeren Konservenbüchsen hübsche Gegensprechanlagen für den nächsten Anbau.

Der Nachtisch eben jenes Buffets bestand aus einer Schüssel mit Pfirsichen, aus der wir zwei Exemplare entnehmen, und außerhalb des Speisesaales, fern von Plastikdeko und westfälischem Pommesbuden-Flair zu uns nehmen wollten, doch wurden wir nur zwei Meter weiter von einer Dame freundlichst darauf hingewisen, daß wir kein Essen aus dem Speisesaal mitnehmen dürfen.
Wahrscheinlich aus Sorge, daß Nahrungsmittel auf den Zimmern Insekten anlocken könnte, oder sowas ähnliches. Wer weiß?

Da wir aber bereits wegen der Toilettenpapieraffäre uns zu einer Art Hotelguerillia entwickelt hatten, heckten wir spitzbübisch den Plan aus, den darauffolgenden Tag einfach einige Lebensmittel in einem Supermarkt zu besorgen, und unsere Vitamine in den Zeiten zu uns zu nehmen, in denen es freien Bürgern und Konsumenten in einem freien Europa danach gelüstet.
Doch wir sollten die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben.
Auf einem nächsten Schild nämlich stand:

„Es ist verboten, Lebensmittel von außerhalb mit in das Hotel zu nehmen.
Wir haben einen eigenen Shop.“

Als uns das Riechsalz wieder nach unserem Ohnmachtsanfall unter die Sterblichen zurückbefördert hatte, wurde uns klar, daß wir nicht wirklich hier sind, daß wir uns stattdessen in der Twighlight-Zone befinden, auf dem Archipel-Gulag, in einem Adventure-Game, in einem wissenschaftlichen Experiment, oder bei der „versteckten Kamera“.
Zumal der angepriesene Shop außer Postkarten, Sonnencremes, 5 Sorten Zigaretten,
3 Sorten Alkohol und der unvermeidlichen, obligatorischen „Bild“ - Zeitung
an Nahrungsmitteln tatsächlich nur 2 (in Worten: Zwei) Sorten Kekse bereithielt,
und an Getränken diese weltweit unvermeidliche, obligatorische schwarze Zuckerbrause, nebst gelber, brauner, grüner, roter und farbloser Variationen.
Oder waren wir sogar in ein Raum-Zeit-Kontinuum geraten, und wir befinden uns in einem Laden in Ostdeutschland im Jahre 2008?
Hat Helmut Kohl die Wahlen 2002 und 2006 wieder gewonnen, den Euro eingeführt, und unser aller Gürtel enger geschnallt?

Oder sollten wir uns einfach nur genügend Appetit für das kontinentale Frühstücksbuffet
bewahren.
Schließlich hat man ja Halbpension gebucht.
Und war das auch der eigentliche Grund für die allmorgendliche zimmermädliche
Klopf - Weckaktion an unserer Türe?

Wenn ja, dann wußten wir spätestens jetzt, wo wir uns befanden: In England!
Von wegen kontinental, und von wegen Buffet:
Weißbrot mit Marmelade,
eine Sorte Käse,
eine Sorte Wurstaufschnitt,
Kaffee noch. Das war‘s.
Joghurt, Müsli, Cornflakes und sämtliche Varianten an Eiern, gekocht, gerührt, gespiegelt, als Omlett mit und ohne Schinken, all das gab es zwar,
aber, wie einem Schild zu entnehmen war:

„Gegen Aufpreis“

Irgendwie beschlich uns der Verdacht, daß vermutlich nachts, wenn sämtliche Gäste in ihren Zimmern Wache halten, sich dann das Hotelpersonal in einen schalldichten Raum zurückzieht, und schlapplacht über diese deutschen Touristen, die nun dafür büßen müssen, daß ihre Regierung ständig Waffen in die Türkei liefert, dessen erzfeindliches Festland ja nur 2 1/2 Meter von der Insel entfernt lag.
Oder haben Sie schon mal wahlweise entweder in einem griechischen Restaurant Döner Kebap bestellt, oder in einem türkischen Gyros Pita?

Letztlich muß man zugestehen, daß Hotelführung und Personal nicht pauschal über einen Kamm geschoren werden kann. Wir wurden immer wieder auch mal angelächelt, wenn man beispielsweise in einen Waschraum geschickt wurde, dessen Seifenspender keine Seife spendeten.
Und es war auch nicht zu übersehen, daß man sich auch immer wieder recht viel Mühe gab, unseren Aufenthalt angenehm zu gestalten.
Aber wer auch immer dafür verantwortlich ist, daß dieses Hotel in Ihrem Katalog mit
3 Sternen und einem Plus-Zeichen gekennzeichnet wurde, gehört auf der Stelle entlassen, angekettet in den dunkelsten Kerker bei Wasser und trocken Brot ins unterste Verlies gesperrt, jedoch nicht ohne zuvor, als Strafe, eine Woche Urlaub im Hotel „Roselands“ machen zu müssen.
Dieses Hotel hat, um genau zu sein, nicht mal eine halbe Sternschnuppe verdient, sondern vielmehr eine sternenlose bewölkte graue Dezembernacht.

Eventuell haben Sie den Eindruck, daß wir das ganze doch recht witzig nehmen.
So täuschen Sie sich lieber nicht. Das ist lediglich Galgenhumor, eine traditionelle Überlebensstrategie der australischen Ureinwohner.
Und wenn Sie fragen, warum wir uns nicht vor Ort beschwert hätten, so wollen wir hiermit Kund und zu wissen tun, daß wir nicht auch noch den letzten Hauch eines „unbeschwerten“ Urlaubs auf‘s Spiel setzen wollten.
So verbrachten wir die meiste Zeit am Strand, mieteten uns ein Auto, machten Rundfahrten, gingen auswärts Essen, und gestalteten derartig unsere Ferienzeit, daß wir ausschließlich mit verschlossenen Sinnesorganen, gleichsam schlafwandlerisch und nur die allernotwendigsten Dinge verrichtend uns auf dem Hotelgelände aufhielten.
So vergingen Tage und Nächte.

Beim Rückflug mit der LTU dann drückte man uns noch die aktuelle Ausgabe der
„Bild“-Zeitung in die Hand, vom Mittwoch, 16.09.98, mit einem Artikel auf der Rückseite, Überschrift:

Seit dem Todesflug der Swissair - sieben neue Zwischenfälle!
Ist Fliegen nicht mehr sicher?

Aber auch das haben wir, transzendental meditierend überlebt.
Gott und LTU sei Dank.

So bleibt uns nur noch, Ihnen mitzuteilen, daß wir
1.) Nie wieder mit 1 2 Fly verreisen werden.
2.) Niemandem Ihr Unternehmen weiterempfehlen.
3.) Darüber hinaus aktiv zu jeder sich bietenden Gelegenheit von Ihnen abraten.
(Demnächst auch auf CD: „Bei diesen Reisen muß man scheißen“).
4.) Und in Zeiten von Globalisierung und Strukturwandel, von steigenden
Arbeitslosenzahlen und sinkenden Reallöhnen, werden wir uns genüßlich
zurücklehnen, und beobachten, wie Sie sich auf dem freien Markt der
Reiseveranstalter behaupten.
5.) Und wir werden ruhig schlafen, denn wir haben keine Aktien von Ihnen.

Und noch etwas:
Bitte kommen Sie nicht auf die Idee, daß wir mit diesem Brief erreichen wollen, ein paar popelige Prozente unserer Reisekosten zurückerstattet zu bekommen.
Die Erholung, die wir in den nächsten Wochen brauchen, um uns von Ihrem Urlaubsangebot zu regenerieren, können Sie nicht bezahlen.

Noch viel Vergnügen im Konkurrenzkampf,
Ihr



h.g. butzko


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