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Am Aschermittwoch ist alles vorbei (FEBR 18)

Liebe Freunde des politischen Kabaretts,

Am Aschermittwoch ist alles vorbei! - Auch meine Zeit auf facebook!

Nach rund sieben Jahren in diesem sozialen Netzwerk werde ich meinem Account dicht machen. Warum ich mich zu diesem Schritt entschlossen habe?

Nun, natürlich nervt zunächst mal diese ganze Sache mit dem Rassismus und der Menschenverachtung, und dem Unvermögen der Verantwortlichen, Leute einzustellen, die Hass und Hetze von Satire und Ironie unterscheiden können.
Dass Mark Zuckerberg Probleme hat, kompetentes Personal in genügender Anzahl zu finden, ist dabei allerdings auch nachvollziehbar, denn schließlich wollen solche Mitarbeiter dann auch anständig entlohnt werden, und das ist von einem Multimilliardär, der zu den 10 reichsten Personen des Planeten zählt, natürlich zu viel verlangt.

Und natürlich nervt auch dieser Algorithmus, der jedes mal, wenn ich etwas Neues poste, diese Neuigkeit erst mal nur an ca 10% meiner Kontakte weiterleitet, und zwar an die, mit denen man zuletzt auf facebook am meisten in Verbindung war, also an die Trolle, Stalker und Psychopathen.

Und wenn diese 10% dann aber nicht sofort (d.h. innerhalb von 20 Minuten!) „gefällt mir“ klicken, oder einen Kommentar schreiben, dann leitet Facebook diese Neuigkeit an die anderen 90% einfach nicht mehr weiter, worauf diese Meldung dann im digitalen Nirwana landet.
Als möchte ein Trainer etwas dem ganzen Team mitteilen, und wenn die Leute von der Ersatzbank das nicht mögen, bekommt die Startaufstellung das gar nicht mehr mit. Als wäre facebook der Hamburger SV.

Und natürlich nervt auch diese ganze Sache mit Falschmeldungen und Social-Bots, so dass man am Ende mit Leuten diskutiert, die gar keine Leute sind, sondern Computerprogramme, die so tun, als seien sie Leute, die mit dir diskutieren. Also Fake-Leute diskutieren mit dir über Fake-News. Toll!

Oder es gibt Diskussionen über Unternehmen wie Monsanto oder Amazon, weil das so Schweineunternehmen sind. Dafür gibt es sogar extra Gruppen. Gegen Monsanto oder gegen Amazon, oder gegen die Mont Pèlerin Society, oder überhaupt gegen Ausbeutung und den Kapitalismus. All sowas diskutiert man auf ..... Facebook ! Als würden die Antialkoholiker sich beim Appelkorn mit den Sexsüchtigen im Puff treffen, um über die Kettenraucher zu lästern.

Im Grunde befindet sich jeder Nutzer bei Facebook unter einer Art personalisierter Käseglocke, an deren Glaswand suggeriert wird, man wäre mit anderen Menschen verbunden, während diese Käseglocke in Wahrheit diese Verbindungen siebt, filtert, steuert und kappt. Und gleichzeitig aber registriert diese Käseglocke jede Aktion eines Nutzers, wer was wo anklickt, kommentiert oder wegschaltet, und zwar nicht nur auf facebook, sondern auch auf allen anderen Seiten, selbst wenn man bei facebook gar nicht eingeloggt ist, und dann werden alle diese Daten verwertet und verkauft.

2 Milliarden Menschen auf der Welt hocken alleine vor ihrem Computer, weil Mark Zuckerberg ihnen verspricht, sie mit ihren Freunden zu verbinden. In Wahrheit sind sie für ihn Rindviecher in einem Massenmolkereibetrieb.

Oder um es einmal klar und unmissverständlich zu sagen: 
Man ist auf Facebook in erster Linie nicht mit anderen verbunden.
Man ist auf Facebook vor allem mit Facebook verbunden.

 
So weit, so nervig!


Aber dann habe ich mich vor einiger Zeit mal gefragt, warum wir alle eigentlich trotzdem - wie die Schimpansen bei einer Versuchsanordnung - permanent aufs Handy glotzen, um auch ja nicht zu verpassen, ob mal wieder jemand sein Essen oder ein Katzenfoto postet.

Und dazu muss man sich zunächst eines klar machen: Diese ganze Digitalisierung, von der immer die Rede ist, all die Geräte, die Hardware, die Software, Programme, Algorithmen, Apps, all diese ganzen Sachen, das fällt ja nicht vom Himmel, sondern das alles wird gemacht, und zwar von Leuten, die stundenlang vorm Rechner sitzen, um Einsen und Nullen zu schreiben. Und die einzigen Leute, mit denen sie Kontakt haben, sind andere Leute, die vor einem Rechner sitzen, um Einsen und Nullen zu schreiben. Also in Mathe und Physik ne 1, und in Sozialkompetenz Nullen. Und mit der Digitalisierung formen diese Leute den Rest der Menschheit jetzt nach ihrem Bilde. Als würde man Nichtschwimmern die Hochseeschiffahrt anvertrauen. Oder Heidi Klum die Chefredaktion bei Emma.

Klingt hart? Oder paranoid? Klar, wenn ich das sagen würde. Sage aber nicht ich.

Zum Beispiel dieser Satz:

„Die Leute, die all diese Produkte entwickelt haben, sind priviligierte kinderlose Egozentriker mit einem limitierten Verständnis von Kultur.“

Das sage nicht ich. Sondern das sagt Tony Fadell. Wer ist Tony Fadell? Tony Fadell ist einer der Erfinder des Iphones. Und der muss es wissen.

 Und wir alle kennen diese limitierten Egozentriker ja auch noch von früher aus der Schule. In der Pause standen sie immer allein in ner Schulhofecke rum, während wir anderen Fußball spielten. Mitspielen konnte man sie ja nicht lassen, weil sie zwar die Flugkurve eines Balles berechnen konnten, ihn aber nicht treffen. Und wenn sie mal doch mitspielen durften, dann höchstens als Torpfosten.

Wir alle kennen sie noch von früher aus der Schule. Pubertierende Jünglinge, die keine Freundin abbekommen haben, und jetzt eine Erregung kriegen, weil sie ein Gerät erfunden haben, das man auf den Tisch stellt, um ihm Befehle zu erteilen. „Alexa, schalte mal das Licht an.“ Was soll die Scheiße? „Alexa, schalte mal das Licht an.“ Wenn bei uns im Wohnzimmer die Lampe eingeschaltet werden soll, wofür hab ich eine Frau? Die sagt zu mir: „Schatz, schalte mal das Licht an.“ Und dann sag ich „Gerne Schatz“, stehe auf, und schalte das Licht an.

Und Tony Fadell sagt aber noch mehr:
„Der kalte Schweiß bricht mir aus, wenn ich darüber nachdenke, was ich und meine Kollegen da in die Welt gesetzt haben. Obwohl Handys eigentlich als Kommunikationsinstrumente angeboten werden, dienen sie tatsächlich vor allem den Bedürfnissen des Einzelnen und sind Mittel der Selbstüberhöhung.
Diese egozentrische Art des Designs fällt nun auf die jüngste Generation, die mit ihm aufwächst zurück. Am schlimmsten ist es bei Kindern. Nimmt man Kindern das Handy weg, ist es so, als würde man ihnen ein Stück ihrer Selbst entreißen. Die Entzugserscheinungen halten tagelang an.“

„Facebook z B hat diese permanente Bestätigungs-Feedbackschleife absichtlich eingebaut. Weil sie wissen, dass man damit eine Schwäche in der menschlichen Psyche ausnutzen kann.“

Sage auch nicht ich. Sagt wer? Sean Parker. Wer ist Sean Parker? Ehemals Vorstandsmitglied von Facebook:
„Diese Bestätigungs-Gefälltmir-Feedbackschleife wurde absichtlich eingebaut, um ganz bewusst eine Schwäche in der menschlichen Psyche auszunutzen. Weil durch diese Daumen hoch und Herzchen-Symbole kleine Glückshormonausschüttungen stattfinden, die Suchtmechanismen auslösen.“ 
Und Sean Parker, ehemals Vorstandsmitglied von Facebook, sagt noch etwas:
"Ich habe geholfen, ein Monster zu schaffen. Weiß Gott, was es den Gehirnen unserer Kinder antut."

„Deswegen ist das Handy nichts anderes als ein Glücksspielautomat in der Hosentasche.“ Sage auch nicht ich. Sagt wer? Tristan Harris. Wer ist jetzt Tristan Harris? Ehemaliger Designer bei Google. Und der sagt noch mehr: „Ständig holen wir das Handy heraus, in der Hoffnung auf eine Belohnung. Das Tückische: Weil wir nicht wissen, wann die Belohnung kommt, schauen wir ständig nach. "Variable Belohnung" heißt das Prinzip, das uns süchtig macht. Nicht wir kontrollieren die Technik, sondern die Technik kontrolliert uns.“

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der durchschnittliche Handy-Nutzer ca 100 mal am Tag auf sein Gerät glotzt. Zieht man 8 Stunden Schlaf ab, heißt das, alle zehn Minuten. 
Wenn im Moment des Todes der Lebensfilm noch mal im Zeitraffer an einem vorüberläuft, dann weiß man jetzt schon, wie der aussieht. Und wenn du dann vor der Himmelstür stehst und Petrus fragt: «Na, wie war sie denn, die Welt?», dann antwortest du: «Rechteckig.»

 

Jetzt könnte man sagen: „Dann soll man halt nicht so viel aufs Handy glotzen.“

„Falsch“, sagt immer noch Tristan Harris von Google. „Nicht wir tragen die Schuld am Verführt werden, sondern die Unternehmen, die uns mit ihrer Software und ihren Apps verführen. Diese Unternehmen haben ganze Abteilungen mit Designern, die nur damit beschäftigt sind, Apps zu entwerfen, die uns möglichst lange binden, selbst wenn wir uns längst überfressen haben. Die wollen, dass wir möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen, weil mehr Zeit mehr Daten bringen, und mehr Daten bringen höhere Werbeeinahmen.“

Bestätigt auch wieder Sean Parker von facebook: „Die Motivation bei der Entwicklung der Facebook-App war: Wie können wir so viel Zeit und Aufmerksamkeit der Nutzer wie möglich bekommen.“ 

Also, nur um das mal klar zu kriegen, Leute wie Tony Fadell, Sean Parker, Tristan Harris, das sind ja nicht irgendwelche Kulturpessimisten, Fortschrittsverweigerer, oder stehengebliebene Ewiggestrige, die sich die Zeiten von Peter Frankenfeld und Robert Lemke zurück wünschen. 


Und es gibt ja noch mehr:

Loren Brichter, der Erfinder des Pull-to-Refresh-Prinzips, also diese Runter-Zieh-Geste, mit der man auf dem Handy Aktuelles aktualisiert, der sagt: "Smartphones sind nützlich, aber sie machen abhängig. Ich bereue die Schattenseiten.“
Und der hat auf seinem eigenen Handy inzwischen den Zugang zu Webseiten und Push-Benachrichtigungen blockiert.

Justin Rosenstein, der für Facebook den gefälltmir-Button erfunden hat, hat auf seinem Iphone die Kindersicherung aktiviert, damit er keine Apps herunterladen kann.

Leah Perlman, ebenfalls an der Entwicklung des gefälltmir-Buttons beteiligt, nutzt mittlerweile eine Browser-Erweiterung, die Facebook-News blockiert.

„Facebook und Co zerreißen die Grundlagen unserer Gesellschaft.“ sagt Chamath Palihapitiya, ehemaliger Manager von Facebook.


Und James Williams, der Designer der Android Apps für Google sagt: „Das ist mehr als eine Ablenkung, mehr als Manipulation, mehr als Suchtverhalten. Die Art und Weise, wie wir auf diese Herausforderung reagieren, wird die prägende ethische, moralische und politische Frage unserer Zeit sein.“

Oder noch mal Klartext von Tristan Harris:
„Eine Handvoll Menschen, die bei einer Handvoll Konzernen arbeiten, können mit ihren Entscheidungen Milliarden Menschen beeinflussen. Diese Erosion des menschlichen Denkens ist das drängendste Problem der Gegenwart. Wir verlieren unseren freien Willen und werden massenhaft manipuliert.“

So, ich fasse das dann mal jetzt zusammen: Wir haben es mit dutzenden leitenden Programmierern, führenden Entwicklern, Vorstandsmitgliedern und Managern, mit den Machern von Apple, Google und Facebook zu tun, mit Insidern, Kronzeugen und Whistleblowern, und sie alle machen übereinstimmende Aussagen, nämlich,
->
dass die Digitalisierung von beziehungsgestörten Soziopathen gesteuert wird, die bewusst und mit voller Absicht flächendeckend ein Suchtmittel unter die Menschheit bringen!

Es gibt inzwischen sogar ein Unternehmen, „Use Dopamine Lab“, die machen ganz unverblümt Werbung mit dem Slogan: „Wir sorgen dafür, dass Ihre App noch suchterzeugender wird.“ Früher bekamen solche Leute Besuch von der Drogenfahndung, oder vom Grünen-Politiker Volker Beck.

Zumal all diese Tüftler im Silicon Valley ihren eigenen Nachwuchs in Montessori-Kindergärten und Waldorfschulen schicken. Warum? Weil sie sicher sein können, dass es dort keine Computer gibt. Dort lernen die Blagen dann, Einsen und Nullen zu tanzen. Man möchte ausrufen: Herr vergib ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun.

Nicht, dass wir uns missverstehen, ich hab nix gegen Drogen, solange sie verantwortungsvollen Erwachsenen das Gemüt erfreuen und das Bewusstsein erheitern. Nichts gegen ein gutes Glas Cabernet Sauvignon, oder einem gepflegten Rioja aus dem Barrique. Auch zwei Kisten Augustiner auf ex haben noch niemandem geschadet. Wer mag, kann sich auch n Joint drehen oder ne Line ziehen.
Aber was unter dem Begriff „Digitalisierung“ verkauft wird, das ist zerebrales Crack und hat das Potential für einen veritablen Horrortrip, der nicht mal vor Kindern Halt macht.

Und weil ich keinen Bock mehr habe, meine Zeit hier auf diesem Planeten in einer raffiniert konstruierten Fata Morgana zu verbringen, um allein durch die Existenz meines Accounts skrupellose Menschensimulanten darin zu unterstützen, aus uns genau so weltfremde Lebenslegastheniker zu machen, wie sie selber es sind, gehe ich jetzt auf Facebook-Entzug, und zwar auf kalten und konsequent.

Stattdessen freu ich mich darauf, mal wieder in die Sonne zu blinzeln und den Wind auf der Haut zu spüren, stattdessen werde ich mal wieder einen Sternenhimmel bei wolkenloser Nacht bewundern, klasse Musik hören, ein spannendes Buch lesen, ein gutes Essen genießen, und echte Gespräche mit echten Freunden haben. Und woran erkennt man echte Freunde? Das sind die, die einem zum Geburtstag gratulieren, obwohl facebook sie nicht daran erinnert.

Und wer mit mir im Internet in Verbindung bleiben will, kann das gerne auf Instagram, Twitter und Whats App machen.... <- Scheeeerz!

Nein, da wird man mich natürlich auch nicht finden. Aber auf meiner guten alten Webseite gibt es meine Emailaddresse, ein Gästebuch und einen regelmäßigen Newsletter, für den man sich anmelden kann. Und der wird auch garantiert an 100% der Interessenten weitergeleitet.
Außerdem kann man da auch meine Langspielplatten kaufen und VHS-Videos von meinen Auftritten, in Schwarz-Weiss. Neben den Fotos von mir mit Peter Frankenfeld und Robert Lemke.

Auf facebook bin ich aber raus! Ab Aschermittwoch.

Euer
HG.Butzko

 



Kommentare

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36 Kommentare
#33 Annette Bassler schrieb am 06.02.2018 09:37

Danke für die gute Recherche zu diesem Text- wird mich weiter beschäftigen.

BUTZKOMMENTAR:
#32 Michael S. schrieb am 04.02.2018 11:25

Vielen Dank für diesen Beitrag. Den habe ich bereits vielen weiterempfohlen

BUTZKOMMENTAR:
#31 Ole Bienkopp schrieb am 03.02.2018 10:28

Recht so. Leider wissen nur wenige über die Hintergründe und Gefahren. Es gehen so viele unglaublich naiv mit ihren Daten um, nach dem Motto "ich hab doch nichts zu verbergen".

 

Jeder Geheimdienst ist hocherfreut, dass die User freiwillig alle Informationen zur ihrer Person digital zur Verfügung stellen. Selber würden sie gar nicht so viel zusammentragen können.

 

Von Facebook hab ich mich schon vor Jahren verabschiedet und verweigere WhatsApp.

 

Ich reich das mal weiter...

BUTZKOMMENTAR: