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Alternativlos (FEBR 11)

Liebe Freunde und Förderer des weltverbessernden Kabaretts,


ist es nicht schön, wie es um das politische Kabarett im deutschen Fernsehen bestellt ist? Da regiert inzwischen das Motto: 
„Wir brauchen keine kritische Satire, uns geht es nämlich gut.“ 
Und das stimmt ja auch. 

Werfen wir nur mal einen Blick nach Ägypten,
und wir sehen, dass es immer noch schlechter gehen kann. 
Ich frag mich z.B., wie Oberst Gaddafi sich wohl grade fühlen mag.
Angesichts der Tatsache, dass Libyen zwischen Tunesien und Ägypten liegt,
muss er sich wohl grade ein bisschen wie ein Doppel-Whopper vorkommen,
nämlich gegrillt von zwei Seiten.

Aber das ist eben das Problem aller undemokratischen Staaten auf der ganzen Welt: Wenn sie keine Presse- und Meinungfreiheit erlauben, 
gibt es eben auch keine verwöhnten Wohlstandskabarettisten, 
die im Fernsehen ab und zu ein bißchen verbal rumzündeln, 
um Druck aus dem Brennwertkessel der Unzufriedenheit zu nehmen.
Und dann braucht sich da nur irgend einer mal selbst anzuzünden
und schon brennt ein halber Kontinent.

Hätte also Präsident Mubarak in seinem Land mal lieber ein öffentlich rechtliches Fernsehen wie z. B. die ARD zugelassen, dann hätten die Programmdirektoren ganz von alleine und ohne Not den einzigen Sendeplatz, der politisches Kabarett vorsieht mit einem Kabarettisten besetzt, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, politisches Kabarett eher nicht so toll zu finden.

Aber diese Entscheidung ist nun mal alternativlos, denn wenn 99% aller Sendungen im deutschen Fernsehen die Stimmung verbreiten, dass wir keine größeren Sorgen als private Beziehungsprobleme haben, wie z. B. zwischen Bauern und Frauen, Dschungelpromis und Frauen, und vor allem Lothar Matthaus und Frauen, wurde es doch langsam Zeit, auch des letzte Prozent diesem Trend anzugleichen.
Und wer eignet sich dafür am besten, als ein Moderator, der ansonsten auch schon mal eine Sendung über Beziehungsprobleme zwischen Männern und Frauen moderiert? 

Und werden außerdem noch in diese Sendung politische Kabarettisten wie Matze Knop dazu eingeladen, sehen wir uns erfreut darin bestärkt, dass wir z. Zt. keine brennenderen Themen haben, als Franz Beckenbauer und Dieter Bohlen. 
Hach, was geht‘s uns gut.

Andererseits es ist aber auch so wichtig, dass die ARD auf dem einzigen Sendeplatz, der ein mal im Monat für 45 Minuten ein bißchen Hohn und Spott über die Mächtigen auskübeln darf, endlich auch mal konsequent darauf hinweist, dass die Mächtigen in einer Demokratie immer noch die Wähler sind. Und über die kann gar nicht genug Hohn und Spott ausgekübelt werden, denn die sollten langsam mal aufhören, dauernd auf ihrem Dienstpersonal, also den Politikern rum zu trampeln, und sich stattdessem an die eigene Nase fassen.

Zum Beispiel dieses unreflektierte Genörgel, dass man das Geld für die Bankenrettung z. B. lieber in Kindergärten gesteckt hätte. Wer sowas behauptet, hat keine Ahnung, und sollte einfach mal die Fresse halten.
Die Wahrheit ist nämlich, dass es ohne Banken dann auch keine Kindergärten mehr gegeben hätte, und deswegen ist die Bankenrettung alternativlos gewesen.

Zugegeben, das klingt ein bisschen so ähnlich wie: „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.“ denn ein gewisser Erich Honecker glaubte nämlich auch mal, dass die Ostmark alternativlos sei. Und dann kam es erst zum Fall der Mauer, und danach zu einer Währungsreform. Und was ist passiert? Die Kindergärten in Ostdeutschland haben davon wunderbar profitiert. 

Aber diese Art von schönfärberischer Gesundbeterei gilt eben immer nur für Deppen, Kommunisten, und arabischen Despoten. Uns hingegen geht es gut. Denn wir haben eine schöne Demokratie. Und wenn man die erst mal hat, braucht man auch bekanntlich keine Opposition mehr. 

Und sollte es uns wider erwarten eines Tages doch mal ein klitzekleines bisschen schlechter gehen, na und? Dann kann sich ja immer noch der ein oder andere Programmdirektor der ARD auch mal selbst verbrennen. 
Nur, um mal zu gucken, was dann passiert. 
Und das wäre dann evtl. auch sogar vielleicht gar nicht mal so alternativlos.


Kommentare

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4 Kommentare
#4 Stefan schrieb am 04.02.2011 16:58

Von Satire kann beim "Satiregipfel" überhaupt keine Rede sein. Aber wie soll die ARD denn auch das Duell mit dem ZDF gewinnen, wenn Urban Priol derzeit der (mir zumindest bekannte) einzige Polit-Kabarettist in der Republik ist, der kein Blatt vor den Mund nimmt und trotzdem noch einen regelmäßigen Sendeplatz hat?

BUTZKOMMENTAR:
#3 bojenberg schrieb am 04.02.2011 11:28

@Peter

 

Politisches Kabarett kann nur eine Richtung vertreten! Die rechten Neolibs und Neocons koennen kein Kabarett! Die koennen mit Ironie und Sarkassmus nix anfangen. Die koennen nur Zynissmuss und Mario Barth! Das zeigt dieser heruntergekommende Nachfolger vom gloreichen Scheibenwischer! Was die ARD da abliefert ist nur noch erbaermlich! Ausgerechnet der CDU-Haussender ZDF machts mit der Wochenschow und der Anstalt vor.

BUTZKOMMENTAR:
#2 Jochen schrieb am 04.02.2011 10:33

Ich meine auch, dass der Satiregipfel nur gewonnen hat - besser gute Comedy mit politischen Einsprengseln als schlechtes politisches Kabarett.

Und auch wenn im ARD-Hauptprogramm das politische Kabarett kaum noch vorhanden ist gibt es ja noch die Dritten (inklusive 3sat) und das ZDF (wo vor der Anstalt auch nix war).

Es wird tatsächlich nicht alles schlechter ;-)

BUTZKOMMENTAR: