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Noch alle Latten am Zaun (FEB 15)

Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau sagte mal: „Irgendwann kam der erste Mensch auf den Gedanken, ein Stück Land mit einem Zaun zu umgeben und zu behaupten, das gehöre jetzt ihm. Das Erstaunliche daran ist nicht, dass es einen Menschen gab, der diesen Gedanken hatte, sondern dass die anderen ihm geglaubt haben.“

 

Das heißt, einer zieht Zäune im Äußeren, welche die anderen dann verinnerlichen. Die bloße Behauptung eines Zaunes ist also nicht das Hauptproblem, sondern das Hauptproblem ist das Problem im Haupt derer, die das glauben. Und kommen viele Leute zusammen, die diesen Glauben teilen, nennt man sie eine Glaubensgemeinschaft, z. B. eine nationalistische, oder eine religiöse. Was haben Nationen und Religionen gemeinsam? Ohne Abgrenzungen würden sie nicht existieren. Deswegen brauchen solche künstlichen Grenzgebilde auch Leute, die an diese Grenzen glauben.

Und drum glauben z. B. auch viele Leute der französischen Politikerin Marine le Pen, wenn sie als Reaktion auf den Terroranschlag von Paris eine Wiedereinführung der Todesstrafe fordert. Zur Abschreckung. Gegen Dschihad-Märtyrer und Selbstmordattentäter. Gute Idee. Als nächstes fordert sie, den Fuchs im Gänsestall einzusperren. Heroinjunkies im Mohnfeld auszusetzen, katholische Priester als Kindergärtner zu beschäftigen, und für Sexsüchtige eine Freikarte im Flatratepuff.

 

Aber so sind sie, unsere Rechtspopulisten. In Deutschland leben ca. 80 Millionen Einwohner. Rund 50.000 davon gehen bundesweit zu Pegida-Kundgebungen auf die Straße, und rufen. „Wir sind das Volk.“ Weitere 100.000 gehen gegen Pegida-Kundgebungen auf die Straße, und rufen. „Wir sind das Volk.“ Frage: Wer ist das Volk? Antwort: die 79.850.000 die vor dem Fernseher sitzen und sagen: „Baoh, bei so nem scheiß Wetter gehen diese Idioten auf die Straße.“

 

Aber bei diesen Pegida-Leuten kann man gut erkennen, wie sehr dieser Zaunglaube sich inzwischen verselbständigt hat, so dass es für viele Gläubigen völlig außer Zweifel steht, andere Menschen einzuteilen in Bewohner innerhalb und außerhalb solcher Zäune. Auch wenn wir 7 Milliarden Menschen sind, die alle als Heimat die selbe Kugel im Weltall haben, erreicht man leider nicht jeden Zaun, wenn man mit diesem Pfahl winkt.

Unter einem Foto auf meiner Facebookseite, das ein abgeschobenes Flüchtlingskind mit müde geweinten Augen zeigt, erhielt ich von einer Rita F. folgenden Kommentar:

"Traurig. Aber ich sehe bei meiner täglichen Arbeit behinderte deutsche Kinder. Sehe die Kürzungen , kaputte Rollstühle und Kinderheime welche überfordert sind. Deshalb fordere ich dort anzufangen. Gehe auch auf die Straße und dies aus Guten Grund. Bin ich jetzt ein Nazi? ?? Und es ist mir egal ob das einer denkt. Solange es diese Missstände gibt, sollte erstmal da gehandelt werden. In diesem Sinne, beschimpft uns weiter....."

 

Was soll man darauf antworten? Vielleicht dies:

"Liebe Rita F., vielen Dank für Ihre Frage: "Bin ich jetzt ein Nazi?" Dazu lässt sich folgendes feststellen: Wer Menschen einteilt in Deutsche und Nicht-Deutsche ist ein Nationalist. Und wer soziale Leistungen „erstmal“ für Deutsche fordert, ist ein Nationaler Sozialist. Und abgekürzt heißt Nationaler Sozialist: ... Na, kommen Sie von selbst drauf, oder? Ich hoffe, Sie halten das jetzt nicht für eine Beschimpfung, aber das wird man doch wohl noch sagen dürfen."

 

Wir sollten uns nichts vormachen, aber es gibt Menschen, deren Horizont am nächsten Zaun endet und die ihre Identität dadurch bestimmen, innerhalb welcher Grenzen sie leben, äußerer und innerer. Niemandem ist es verboten, kleinlich zu denken. Das ist auch kein Problem, und zwar selbst dann nicht, wenn solche Zaunkönige ihre Abgrenzungsbedürfnisse in Wort, Bild und Schriften verbreiten. Deswegen nennt man solche Leute auch Schriftgelehrte. Ein Begriff, der meiner Meinung nach übrigens nicht per se ein Schimpfwort ist.  

 

Ein Problem entsteht aber dann, wenn die Verteidigung solcher Zäune einigen Leuten zum Anreiz gereicht, Menschen, die von außerhalb ihrer Grenzen sind, auszugrenzen, und ihnen nach Leib und Leben zu trachten. Und da solche Leute argumentativ die Schotten dicht machen und die Schranken runter, nennt man sie auch nicht ganz dicht, oder beschränkt. Was dann übrigens auch kein Schimpfwort ist, sondern eine präzise Beschreibung ihres Horizontes.

 

Und es war noch immer so, dass den Grenzdenkern erst die Grenzgänger, und dann die Grenzdebilen folgten. Je mehr Leute gegen die Ausgegrenzten reden, umso mehr fühlen andere sich dadurch ermuntert, handgreiflich gegen diese Ausgegrenzten ein- und auszuschreiten. Das ist das Hauptproblem im Haupt derer, die das glauben. Und zwar in allen Glaubensgemeinschaften, ob nationalistisch oder religiös. 


Kommentare

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3 Kommentare
#3 Uwe üriesnitz schrieb am 09.02.2015 13:36

Lieber Herr Butzko

Ihr Auftritt in Solingen war so gut ,dass ein Lokalpolitiker bereits zur Pause gegangen ist , wahrscheinlich weil er in der nächsten Zeit sich selbst oder seinen Partei Kollegen zuhören möchte.

Wie Sie schon sagten, zuhören reicht! Dann braucht man kein politisches Kabarettää.

Wenn es nicht zu viel .Arbeit für Sie ist, empfehle ich vOr dem Auftritt an Ort mal kurz in die lokale PResse zu schauen . Solingen hätte da viel zu bieten gehabt.

Trotzdem : KLASSE,,, DANKE

Gruß priesnitz

 

 

 

 

jeder Stadt

BUTZKOMMENTAR:
#2 Claudia Gundlach schrieb am 02.02.2015 17:00

Lieber Herr Butzko!

 

Für den Inhalt Ihres Februar- newsletters: DANKE, DANKE, DANKE!!!

Sie bringen das Problem auf den Punkt und sprechen mir aus der Seele.

Herzliche Grüße aus Berlin Claudia Gundlach

BUTZKOMMENTAR:
#1 Johannes Leuth schrieb am 01.02.2015 22:22

Danke HG Butzko, wieder ein gelungener Beitrag zu diesem Phänomen von falsch verstandenem Drang zum Protest.

 

Aber um das mit dem Zaun nochmal aufzugreifen. Vielleicht sollte man den Zaun oder die Zäune einfach einreissen.

 

Denn wir sind in erster Linie nicht Gläubige in irgendeiner Art, wir sind alle Menschen. Denn darauf kommt es meiner Meinung an. Vielleicht wachen ja auch die noch auf, die das bislang nicht erkannt haben.

 

Zu hoffen wäre es. Bis dahin heißt es, weiter (friedlich) kämpfen für Aufklärung.

 

Bis zum nächsten Mal.

Johannes Leuth

BUTZKOMMENTAR: