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A.-Soziales (DEZ 14)

Der Gesetzentwurf von Andrea Nahles zur Tarifeinheit sieht vor, dass, wenn sich - wie z B bei der Deutschen Bahn - zwei Gewerkschaften um die Zuständigkeit für eine Gruppe von Beschäftigten streiten, dann soll die Arbeitnehmerorganisation mit den meisten Mitgliedern in dem Betrieb Vorrang haben. Das ist natürlich nichts geringeres als das Ende der Tarifpluralität, und zwar zugunsten der Gewerkschaftsdinos. 

Stell dir vor, du bist als Zugbegleiter oder Bordbistrokellner Mitglied in der Gewerkschaft der Lokführer (GDL), die für dich bessere Arbeitsbedingungen aushandeln will, und die Arbeitgeberseite sagt: „Nö, darüber verhandeln wir mit einer anderen Gewerkschaft.“ Lustig, oder? Das ist ungefähr so, als müsste Schalke 04 gegen Bayern München spielen, und sagt: „Wir hätten aber lieber einen anderen Gegner“. Gut, im Fall von Schalke 04 würde das wenigstens Sinn machen. 

Im Fall der GDL aber handelt es sich beim Arbeitgeber mit der Bahn um den Staat, also um denjenigen, der die Gesetzeslage festlegt. Und wenn man dann noch erfährt, dass im Aufsichtsrat auf Arbeitgeberseite ehemalige Regierungsmitglieder und Staatssekretäre sitzen, und auf Arbeitnehmerseite samt und sonders Mitglieder der Konkurrenzgewerkschaft EVG, dann muss man sich nur noch klar machen, dass nach dem Willen von Frau Nahles in Zukunft die Tarife bei der Bahn nur noch eben jene EVG aushandeln soll. 

 

Und zwar dieselbe EVG, deren Vorgängergewerkschaft Transnet mal einen Gewerkschaftsboss, namens Norbert Hansen hatte, der gegenüber der Bahn jahrelang so knallharte Gewerkschaftsarbeit gemacht hat, dass Hartmut Mehdorn ihn aus Rache in den Vorstand der Bahn berief, und dort mit Millionen von Euros bestrafte.
Im Mai 2008 erklärte Hansen seinen Rücktritt als Gewerkschaftsvorsitzender und schon sieben Tage später berief man ihn zum Arbeitsdirektor der Deutschen Bahn. Das sind Karenzzeiten, wie man sie sonst nur von einem Trainerwechsel bei Schalke 04 kennt. Ronald Pofalla jedenfalls kotzt vor Neid im Strahl.
Und jetzt halte man sich gut fest. Schon nach einem halben Jahr bot Hansen die vorzeitige Niederlegung seines Vorstandsmandates an, mit der Begründung, er sei längere Zeit krank und eine Genesung nicht absehbar, worauf der Aufsichtsrat der Bahn seiner Abberufung zum Mai 2009 zustimmte. Und während seiner zwölf Monate Vorstandsmitgliedschaft erhielt Hansen insgesamt über 1.000.000 Euro. Wahrscheinlich Schmerzensgeld, weil Rumsitzen dem Arsch bekanntlich weh tut. Und weil das alles aber noch nicht reichte, bekam Hansen dann auch noch eine einmalige Abfindung von - jetzt kommt’s - 2,256 (!) Millionen Euro. Einfach nur mal so. Wahrscheinlich, weil der Rest vom Arsch auch noch weh tat. Und weil das alles immer noch nicht reichte, gab’s oben drauf noch eine BahnCard 100 auf Lebenszeit. Bestimmt 2. Klasse. Stehplatz. Alles andere wär ja für’n Arsch.

 

Und wenn Dutzende solcher Pappenheimer in den Chefetagen der Bahn Millionen von Euros abgreifen, ist es doch wohl logisch, dass man bei den Löhnen für Lokführer und Zugbegleiter knallhart kalkulieren und jeden Euro zwei mal umdrehen muss. Da sitzt das Geld nun mal nicht so locker. 

Und da die Bahn ein Staatsbetrieb ist, und auf Arbeitgeberseite also letztlich die Regierung sitzt, dann muss man einfach Verständnis dafür haben, dass Andrea Nahles lieber mit der EVG verhandelt, als mit der GDL. Denn dafür ist diese Frau ja nicht nur Sozialdemokratin, sondern auch Ministerin für Arbeit und Soziales, abgekürzt: A.-Soziales. 


Kommentare

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3 Kommentare
#3 Manfred schrieb am 25.12.2014 16:12

Heute braucht man zur Gleichschaltung der Gewerkschaften noch nicht mal die Nazis, die Sozen sind sich ja für nix zu schade. Aber die werben auch für immer mehr Wachstum: Was man den Beschäftigten am Lohn abspart, kann man in Flughäfen oder in Bahnstrecken im Ausland investieren. Somit gehören unseren Malochern sozusagen völlig zu Recht Billigflüge und Railtickets all inclusive!!!

BUTZKOMMENTAR:
#2 harald sauerland schrieb am 14.12.2014 19:57

Hallo Herr Butzko,

 

Frau Nahles hat ihr Gesetz im Kabinett durchgeboxt.

 

Was Schwarz Gelb nicht schaffte, schafft Schwarz Rot.

 

Was riefen die Werktätigen schon 1919?

 

Wer hat uns verraten? .....

 

Gruß H. Sauerland

BUTZKOMMENTAR:
#1 Hans Dieter Goldberg schrieb am 02.12.2014 20:37

Schon für den letzten Nachrichten-Brief (zu doitsch: Neffsletta) wollte ich mich überschwänglich bedanken, finde aber keine Worte ausser "Es war ein Seelenbalsam, zu lesen, was unaussprechlich in den offiziellen Verlautbarungen ist."

Danke

BUTZKOMMENTAR: